Die Anatomie der Cannabispflanze

Einleitung

Die Cannabispflanze ist eine einjährige Bastfaserpflanze aus der Familie der Cannabinaceae (Hanf)[1] und wird in zwei Arten unterteilt: Сannabis sativa und Сannabis indica, – wovon es jeweils mehrere Sorten gibt.[2] Je nach Sorte und Wachstumsbedingungen kann die Höhe der Cannabispflanze zwischen 75 cm und 4 m liegen.

Cannabis Sativa ist wie Baumwolle und Flachs sowohl eine faserige (Spinn-) Pflanze als auch eine ölhaltige Pflanze. Die Samen enthalten einen signifikanten Anteil an Fettöl (30 – 35 %) und Protein (bis zu 25 %).[3] Cannabisöle werden zur Herstellung von trocknendem Öl, Farben und Lacken verwendet.

Ein Merkmal der Cannabispflanze ihr Cannabinoidgehalt. Cannabinoide sind chemische Verbindungen, die zur Klasse der natürlichen Phenole gehören.[4] Die häufigsten Cannabinoidverbindungen in der Cannabispflanze sind Cannabidiol (CBD), Cannabinol (CBN), Tetrahydrocannabinol (THC). Deren Funktion und Wirkung werden später in diesem Text erläutert.

Geschlecht und Fortpflanzung

Cannabis sativa gehört zu zweihäusigen Pflanzenarten, bei denen das Geschlecht der Blüten durch Geschlechtschromosomen bestimmt wird: XX – Pflanzen sind weibchen, XY – Pflanzen Männchen. In normalen Kulturen besteht bei Cannabis ein Geschlechterverhältnis von nahezu 1:1.

Das Vorhandensein heterogametischer (XY) und homogametischer (XX) Geschlechter impliziert eine Geschlechtsbestimmung zum Zeitpunkt der Befruchtung. Jedoch gibt es auch einhäusiger Cannabis, welcher von Natur aus eine Zwischenform zwischen männlichen und weiblichen Pflanzen ist.[5] Im Allgemeinen dominiert Diözese (Zweihäusigkeit) Monözizität (Einhäusigkeit), aber Bedingungen können den Grad der Dominanz schwächen. Ein kurzer Tag, künstliches Licht und Schäden, die die Morphogenese beeinflussen, können reversible Geschlechtsumwandlungen verursachen.

Weibliche vs. männliche Pflanzen

Bei weiblichen Cannabispflanzen ist das Wurzelsystem in Gewicht und Volumen 6 - 8 Mal stärker ausgebildet im Vergleich zu den Männchen. Weibliche Pflanzen haben größere und dickere Stängel

und dichte, spitzenförmige Blütenstände. Der Blütenstand weiblicher Pflanzen wird als Samenkopf bezeichnet, auf dem sich die weiblichen Blüten kompakt an der Basis der kurzen Seitenäste befinden. Die weibliche Blume hat eine grüne Blütenhülle in Form einer einblättrigen Kappe (bei männchen ist diese 5-geteilt). Der Kelch der weiblichen Cannabisblüte ist mit Harz überzogen, das von den Trichomen (Drüsenhaaren) des Hanfs abgesondert wird und ist ungefähr 2 bis 6 mm groß.[6] Die Faserausbeute bei Weibchen beträgt ungefähr 16 - 20% (bei männchen ist sie etwas höher und liegt bei ca. 20 – 25 %).[7]

Hermaphroditen („Zwitter“)

In der Natur gibt es auch Formen von Cannabis, bei denen dieselbe Pflanze Blütenstände von männlichen und weiblichen Blüten aufweist – sogenannte Hermaphroditen, welche umgangssprachlich auch Zwitter genannt werden. Cannabispflanzen können aufgrund von Stresssituationen zu Hermaphroditen werden.[8] Die Züchtung solcher einhäusiger Cannabis-Sorten wird als vielversprechende Züchtungsrichtung angesehen, da bei einhäusigem Hanf männliche und weibliche gleichzeitig reifen und so die mechanisierte Ernte erlaubt. Bei zweihäusigem Cannabis entwickeln sich männliche Pflanzen viel früher als weibliche Pflanzen und sind zum Zeitpunkt der allgemeinen Ernte nicht mehr für Ballaststoffe geeignet. Daher müssen sie zu Beginn der Blüte von Hand herausgezogen werden.[9] Einhäusiger Hanf reift gleichmäßig, sodass er derzeit die landwirtschaftlichen Anpflanzungen dominiert. Für die Herstellung von psychotropen Produkten ist einhäusiger Hanf jedoch von geringem Nutzen, da die weiblichen Blüten zwangsläufig bestäubt werden, wodurch der THC-Gehalt in ihnen erheblich verringert wird.[10]

Bestäubung und Pollen

In freier Wildbahn wird Cannabis hauptsächlich durch Wind bestäubt.[11] Die Stempel weiblicher Pflanzen (lange klebrige Haare, die aus den Blütenständen wachsen) fangen Pollen ein und beginnen im Anschluss mit der Samenproduktion. Cannabis produziert nicht sehr süßen Nektar – die Bestäubung duch Insekten ist daher selten und passiert nur vereinzelt durch Zufall.[12]

Die Samenbeutel, die von männlichen Cannabispflanzen produziert werden, sind ab der zweiten oder dritten Blütewoche bereit, die weiblichen Pflanzen zu bestäuben. Reife Samenbeutel erkennt man optisch, da sie stark anschwellen. [13] Bald nach der Bestäubung fallen weibliche Blüten ab und bilden Eierstöcke. Das darin enthaltene THC beginnt sich zu zersetzen und verwandelt sich in das Haupt-Cannabinoid CBN, das weniger ausgeprägte psychotrope Eigenschaften aufweist.[14]

Pflazenteile

Das Wurzelsystem der Cannabispflanze hat die Form eines Stabes. Die Hauptwurzel dringt ungefähr 1,5 - 2 m in den Boden ein. Seitenwurzeln erreichen eine Länge von ca 1 – 1.2 m. Der Großteil der Wurzeln befindet sich in einer Tiefe von 40 cm, was auf den hohen Bedarf von Hanf an Nährstoffen und Feuchtigkeit hinweist.

Je nach Art, Sorte und Wachstumsbedingungen beträgt die Höhe des Stiels 0,6 - 5 m und die Dicke 3 bis 50 mm. Die Anzahl der Internodien (also die Teile der Sprossachse zwischen zweit Verästelungen, die definitionsgemäß keine Blätter tragen) reicht von 3 bis 10. Die Innenseite des Stiels ist hohl.

Die Faser ist stark und beständig gegen Fäulnis. Hanffasern befinden sich im Bastteil des Stiels in Form von Bastfaserbündeln. Im Cannabisstamm sind die Faserbündel in primäre und sekundäre Bastfasern unterteilt. Die Länge der Primärhanffaser beträgt 8 bis 55 mm, die der Sekundärfaser bis zu 4 mm.[15]

Das Cannabisblatt ist komplex und fingergetrennt. In den am weitesten entwickelten Blättern bilden sich je nach Sorte 5 bis 11 Blattspreiten (Blattflächen).[16] Die Kanten der Blattspreiten sind gezackt.

Die Frucht der Cannabispflanze ist ein runder nussförmiger Körper, 2,5 - 4,5 mm lang und etwas weniger breit. Die Frucht besteht aus einem äußeren Fruchtmantel, einem inneren dünnen Samenmantel und einem Embryo.[17] Aus dem Embryo entsteht nach Befruchtung eine neue Pflanze.

Eine durchschnittliche Hanfpflanze träge zwischen 6 – 14 g Samen (wobei 1000 Samen ca. 15 – 21 g wiegen.

Lebenszyklus

Cannabis-Sorten werden anhand der Länge ihrer Vegetationsperiode in 5 Abstufungen unterteilt: sehr kurz (weniger als 96 Tage), kurz (96 – 112 Tage), mittel (113 - 129 Tage), lang (130 - 146 Tage) und sehr lang (mehr als 146 Tage).[18] Je nach Typ verharrt die Pflanze mehr oder weniger lang in unterschiedlichen Wachstumsphasen – welche im Folgenden kurz beschrieben werden.

Keimung

Die erste Lebensphase einer Pflanze beginnt im Samen. Ein qullitativ hochwertiger Samen sollte fest und trocken sein und eine helle bis dunkelbraune Farbe haben. Cannabissamen werden normalerweise im Frühjahr gepflanzt. Sie keimen ungefähr nach 3 bis 7 Tagen. Sobald der Samen geplatzt ist, kann er in das Wachstumsmedium gegeben werden. Der Hanf beginnt dann zu sprießen und grüne Triebe erscheinen auf der Oberfläche des Mediums. Es erscheinen die sogenannten Keimblätter (erste Blätter), zwei kleine ovale Blätter, die die Samenschale durchbohren. Der Spross der Cannabispflanze tritt in Form eines Hypokotyls (embryonaler Stamm) aus dem Boden aus. Cannabis-Hypokotyl ist 1 bis 10 cm lang.[19]

Keimlingsstadium

Im Keimlingsstadium ist die Pflanze am empfindlichsten und anfällig für äußere Faktoren, daher muss zu dieser Zeit besonders vorsichtig mit den jüngen Pflänzchen umgegangen werden. In einem Abstand von etwa 10 Zentimetern vom Keimblatt entwickeln sich die ersten echten Hanfblätter.[20] Nach dem ersten Paar Cannabisblätter beginnen sich schnell neue Blätter zu entwickeln, die zuerst in 3 Stücken, dann in jeweils 5 und später in jeweils 11 Stücken, bzw. Blattspreiten unterteilt sind.[21] Cannabispflanzen gelten als Sämlinge, bis sie Blätter mit der vollen Anzahl Blattspreiten bilden.

Vegetative Wachstumsphase

Die Vegetationsperiode markiert die Zeit, in der das Hauptwachstum des Cannabis stattfindet.[22] Die Pflanze verwandelt sich von einem kleinen Sämling in einen großen Busch: Nach 2 - 3 Wochen haben die Sämlinge bereits mehr als zehn schöne Blätter und einen kräftigen Stiel. Solange Cannabis während der Vegetationsperiode mit Licht und Nahrung versorgt wird, wächst es intensiv, während sich die Pflanze zur Lichtquelle hin nach oben streckt. Unter günstigen Bedingungen wächst Hanf an langen Sommertagen täglich bis zu 7 cm hoch.[23] Nachdem die Pflanze üppiger geworden ist, beginnt die Bildung der Blütenstände.[24]

Prä-Blütenphase („Vorblüte“)

Abnehmende Tageslichtzeit und zunehmende Dunkelzeit, signalisieren die bevorstehende Blüte der Hanfpflanze. Nodien sind die Schnittpunkte des Stiels mit den Zweigen – der Bereich dazwischen wird als Internodium bezeichnet. An den Schnittstellen oder Nodien treten zu diesem Zeitpunkt kleine Knötchen (sogenannte Neoplasien) auf – diese Knötchen sind Eierstöcke. Der Beginn der Blüte ist durch die Bildung von Eierstöcken und einen starken Wachstumsschub (der bis zu 2 Wochen andauert) gekennzeichnet, wonach die Blütenstände um die Eierstöcke herum zu wachsen beginnen.[25] Die Harzproduktion beginnt in dieser Phase.

Blütenphase

Die Blütephase ist die letzte Phase des Wachstums der Cannabispflanze. Die Blütezeit im Freien beginnt im Spätsommer, wenn der Hanf aufgrund reduzierter Tageslichtstunden weniger Sonnenlicht erhält.[26] Für eine Pflanze ist dies ein Signal dafür, dass ihr Lebenszyklus kurz vor dem Abschluss steht und es Zeit ist, sich um die Nachkommen zu kümmern. An diesem Punkt beginnen die Männchen Pollen zu produzieren. Wenn die männliche Pflanze das Weibchen bestäubt, beginnen sich in den Blüten des letzteren Samen zu bilden. Wenn die Samen vollständig reif sind, öffnen sich die Knospen, um sie auf natürliche Weise zu säen und der gesamte Zyklus beginnt von vorne. In der Blütenphase lassen sich die Geschlechter relativ einfach optisch auseinanderhalten. Weibliche Cannabisblüten erscheinen als zwei lange weiße, gelbe oder rosa Stempel, die aus einer Falte eines sehr dünnen Kelches herausragen.[27]

Zellebene

Membran und Zytoplasma

Ein wesentlicher Bestandteil jeder Pflanzenzelle ist die Zellmembran die die Zelle umgibt und aus zwei Schichten von Lipiden und Proteinen besteht. Eine der Funktionen der Membran ist die Endozytose[28] (Aufnahme) von Molekülen aus der Umgebung der Zelle, sowohl die Exozytose (Ausscheidung)[29], von Abfallprodukten aus der Zelle.[30] Der Raum innerhalb der Pflanzenzellmembran umfasst das Zytoplasma, das im Grunde die Substanz der Zelle ist. Im Cytoplasma befinden sich die zellulären „Organe der Zelle“, die Organellen genannt werden und verschiedene Funktionen übernehmen – einige der wichtigsten werden in den kommenden Textabschnitten kurz beschrieben.[31]

Chloroplasten und Mitochondrien

Chloroplasten sind Zellorganellen, welche am Prozess der Photosynthese beteiligt sind und die Cannabispflanze mit Lebensenergie versorgen. In Chloroplasten wird Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt und hochenergetische organische Verbindungen und Sauerstoff produziert. Chloroplasten haben eine charakteristische grüne Farbe, was auch den Pflanzen ihre grüne Farbe verleiht.[32]

Mitochondrien sind Organellen in Bakteriengröße (etwa 1 x 2 Mikrometer lang).[33] Sie kommen in großer Zahl in fast allen Zellen der Cannabispflanze vor. Typischerweise enthält eine Zelle etwa 2000 Mitochondrien, deren Gesamtvolumen bis zu 25 % des gesamten Zellvolumens ausmacht. Im Gegensatz zu den Chloroplasten dienen die Mitochondrien als Energieverarbeiter: Mit ihrer Hilfe wird gespeicherte Energie in chemische Energie umgewandelt, die ungefähr 90 % der Energie liefert, die die Zelle zum Überleben benötigt.[34] Es ist diese Energie, die das nachhaltige Wachstum der Cannabispflanze sicherstellt und bestimmt, wie groß und dick die Knospen sein werden.

Vakuolen

Die zentrale Vakuole nimmt mehr als die Hälfte des Volumens reifer Zellen ein. Die Hauptfunktionen der Vakulen sind Wasserversorgung, Ansammlung von Ionen und Wartung des Turgors (Zelldruckes). Die Membran der Vakuole wird als Tonoplast bezeichnet und ist selektiv durchlässig. Aufgrund der osmotischen Absorption von Wasser wird der Zelldruck laufend reguliert. Vakuolen verleihen der Cannabispflanze physikalische Stabilität und beeinflussen sichtbar die Struktur der Pflanze. Mit ihrer Hilfe wird durch Druck auf die Zellwände erzeugt, so dass die Pflanze stabil ist und nicht fällt. Der Prozess des Welkens einer Pflanze hängt direkt von den Vakuolen ab. Trocknet die Pflanze, fällt der Turgordruck und die Vakuole schrumpft (und somit auch die ganze Zelle). Mit der Wiederaufnahme der Wasserversorgung können Vakuolen die Struktur der Anlage wiederherstellen.

Nukleus und DNS

Der Zellkern kann mit dem Gehirn verglichen werden, da seine Funktion darin besteht, alle in der Zelle ablaufenden Prozesse zu steuern und zu verwalten.[35] Darüber hinaus ist der Kern wichtig, da er auch die gesamte genetische Information in Form von Desoxyribonukleinsäure (kurz DNS) enthält. Die Zellen jedes Gewebes haben eine fast identische DNS in ihrem Kern, aber in verschiedenen Zellarten sind unterschiedliche Gene ein- oder ausgeschaltet. So können sich Zellen spezialisieren und die nötigen Formen und Funktionen übernehmen. Während sich die Cannabispflanze entwickelt, können die von ihr produzierten Wachstumshormone und Zucker die DNS verändern und so weitere Zellspezialisierung ermöglichen, welche beispielsweise in der ganz jungen Pflanze noch „freigeschaltet“ sind.[36]

Hormone

Verschiedene Gewebe und Millionen von Zellen bilden die Cannabispflanze.[37] Es ist jedoch notwendig, dass diese Zellen und Zellverbünde miteinander kommunizieren, damit der Organismus als Ganzes funktionieren kann. Diese interzelluläre Kommunikation wird durch Hormone vermittelt.

Pflanzenhormone, auch Phytohormone genannt, sind natürlich vorkommende Moleküle, die alle Aspekte des Pflanzenwachstums und der Pflanzenentwicklung regulieren. Während des Lebenszyklus einer Pflanze können sie das Wachstum verlangsamen oder beschleunigen und wichtige Prozesse und Funktionen ermöglichen und erleichtern.[38] Darüber hinaus können Phytohormone auch die Reaktion der Cannabispflanze auf äußere Faktoren wie Umweltstress, körperliche Schäden und die Exposition gegenüber Schädlingen und Krankheitserregern beeinflussen. Pflanzenhormone können in fünf verschiedene Typen eingeteilt werden: Abscisinsäure, Auxine, Cytokinine, Ethylen und Gibberelline.[39]

Abscisinsäure hemmt das Wachstum positiv und reguliert die Transpiration, wodurch Pflanzen mit Umweltstressoren, Schädlingen und Krankheitserregern umgehen können.[40] Es ist im Grunde ein Hormon welches alles ausschaltet, falls etwas schief geht. Beispielsweise wird Abscisinsäure unter Dürrebedingungen produziert, um zu verhindern, dass die Pflanze neue Blätter entwickelt. Es schließt die Poren der Stomata, um die Transpiration zu stoppen, und reduziert die Menge an Wasser, die aus den Blättern verdunsten kann. Dies hilft, das Welken oder den Tod der Pflanze in Zeiten extremer Hitze und Trockenheit zu verhindern. Aus diesem Grund wird Abscisinsäure oft als Anti-Dürre- oder Stresshormon bezeichnet.[41]

Auxine sind eine Gruppe von Hormonen, die helfen, die Bildung und das Wachstum von Wurzeln, Blättern und Blüten zu kontrollieren.[42] Hohe Auxinkonzentrationen können die Plastizität der Zellwände verbessern und es den Pflanzenzellen ermöglichen, sich zu dehnen und zu wachsen. Eine Dysregulation dieses Hormons oder übermäßig hohe Dosen können jedoch das Wachstum von Cannabispflanzen eher hemmen als fördern. Auxine sind auch für den Phototropismus verantwortlich, der dazu führt, dass sich Pflanzen zur Lichtquelle neigen, und für den Geotropismus, der das Wurzelwachstum nach unten als Reaktion auf die Schwerkraft stimuliert.[43] Ohne Auxine könnte die Cannabispflanze nicht über den Sämling hinaus wachsen oder sich ausdehnen.

Im Gegensatz zu vorherigen Hormonen sind Cytokinine sowohl in Tieren als auch in Pflanzen vorhanden. Sie werden typischerweise als Wachstumsförderer während des vegetativen Stadiums verwendet, um dickere, robustere Stängel und Zweige zu stimulieren, und während der Blütephasen, um dichtere Embryonen zu produzieren.[44]

Ethylen ist ein brennbares Gas, das die Reifung und das Altern fördert und manchmal als Alterungshormon bezeichnet wird. Einige seiner Funktionen umfassen die Samenkeimung, Phototropismus und Blütenentwicklung.

Von den verschiedenen Arten von Gibberellinen ist Gibberellinsäure (GA) am häufigsten beteiligt.[45] Dieses „Multitasking-Hormon“ ist an einer Reihe von Stoffwechselfunktionen beteiligt. Ein Mangel an Gibberellinen kann zu Wachstumsstörungen führen. Andererseits kann ein Überschuss zur Bildung schwacher Stängel führen, die die Pflanzen möglicherweise nicht unterstützen.

Genetik und Pflanzenzucht

Genom

Die genetische Struktur der Pflanze hat einen erheblichen Einfluss auf das Ergebnis der Ernte. Daher werden Sorten aus Nachkommen gekreuzt und anschließend Exemplare mit dem gewünschten Merkmal ausgewählt. Der Vorgang wird wiederholt, bis die Eigenschaften der neuen Sorte nicht mehr stärker stabilisiert werden können. Samen der ersten Generation sind aufgrund des Phänomens der Heterosis (der erhöhten Vitalität, die Hybriden der ersten Generation haben) am beliebtesten. Diese Samen wachsen durchschnittlich 25 % schneller.[46] Diese Methode zur Züchtung neuer Sorten ist mühsam und zeitaufwändig. Es ist zwar komplizierter, aber auch schneller, dass für das gewünschte Merkmal verantwortliche Gen zu isolieren, und in eine neue Pflanze „einzusetzen“. Letztere Herangehensweise erfordert jedoch sehr gute Kenntnisse über das Genom der Pflanze.

Unterschied zwischen THC und CBD

Delta-9-Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) und Cannabidiolsäure (CBDA) sind Chemische Stoffe, die ausschließlich von Cannabispflanzen hergestellt werden. Umgewandelt binden diese Stoffe an Rezeptoren im Nervensystem der Wirbeltiere und verursachen beim Menschen eine Vielzahl neurologischer Wirkungen.[47]

Hanf und Marihuana, die zur selben Art – Cannabis sativa – gehören, entwickeln sich als separate Stämme mit unterschiedlichen chemischen Eigenschaften. Cannabispflanzen, die zur Herstellung von Drogen (Marihuana) angebaut werden, enthalten die psychoaktive Substanz THC, während Hanf Cannabidiol (CBD) produziert, das für sein medizinisches Potenzial bekannt ist. Durch die Kreuzung von Marihuana-Pflanzen mit hohem THC-Gehalt mit Cannabis-Stämmen mit niedrigem THC-Gehalt können Züchter neue Stämme herstellen, die einen hohen CBD-Gehalt produzieren.[48] Die jüngste Nachfrage nach Cannabidiol (CBD) hat die Auswahl von Pflanzen mit einem hohen CBD-Gehalt begünstigt. Jedoch erfüllen nicht alle neu entwickelten Stämme mit hohem CBD-Gehalt die gesetzlichen Definitionen von Industriehanf (THC < 0,3 %).[49]

Cannabidiol (CBD) ist seit Kurzem für seine Wirksamkeit bei der Behandlung vieler Krankheiten bekannt (beispielsweise bei Epilepsie, Alzheimer oder Schizophrenie). In vielerlei Hinsicht machen sich Wissenschaftler daher daran, die genetische Karte von Cannabis im Detail zu untersuchen und so das Potenzial der Cannabispflanze weiter ausschöpfen zu können.[50]

 

[1] vgl. Stevens, P.F. (2001) "Cannabaceae", Angiosperm Phylogeny Website. URL: http://www.mobot.org/mobot/research/apweb/orders/rosalesweb.htm#Cannabaceae

[2] vgl. GRIN Taxonomy. "Species of Cannabis". URL: https://npgsweb.ars-grin.gov/gringlobal/taxonomylist.aspx?category=species&type=genus&value=Cannabis&id=2034

[3] vgl. Novak, J., Zitterl-Eglseer, K., Deans, S.G., Franz, C.M. (2001). "Essential oils of different cultivars of Cannabis sativa L. and their antimicrobial activity". Flavour and Fragrance Journal. 16 (4). S. 260. URL: https://doi.org/10.1002%2Fffj.993

[4] vgl. Pertwee, Roger, ed. (2005). "Cannabinoids". Springer-Verlag. S. 2.

[5] vgl. Schaffner, J. H. (1921). "Influence of Environment on Sexual Expression in Hemp". Botanical Gazette. 71 (3). S. 198. URL: https://www.journals.uchicago.edu/doi/pdf/10.1086/332818

[6] vgl. Moliterni, V.C., Cattivelli, L., Ranalli, P., Mandolino, G. (2004). "The sexual differentiation of Cannabis sativa L.: A morphological and molecular study". Euphytica. 140 (1–2). S. 95. URL: https://doi.org/10.1007%2Fs10681-004-4758-7.

[7] Ebd. S. 208ff.

[8] Ebd. S. 203.

[9] Ebd. S. 203f.

[10] vgl. The Royal Pharmaceutical Society of Great Britain (2006). "Cannabis". In Sean C. Sweetman (ed.). Martindale: The Complete Drug Reference: Single User (35th ed.). Pharmaceutical Press.

[11] vgl. Clarke, R. C. (1991). "Marijuana Botany", 2nd ed. Ron Publishing, California.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd. S. 128.

[17] Ebd. S. 134.

[18] vgl. Clarke, R. C. (1991). "Marijuana Botany", 2nd ed. Ron Publishing, California.

[19] Ebd. S. 39f.

[20] vgl. Clarke, R. C. (1991). "Marijuana Botany", 2nd ed. Ron Publishing, California.

[21] Ebd.

[22] Ebd. S. 42ff.

[23] Ebd.

[24] Ebd.

[25] vgl. Clarke, R. C. (1991). "Marijuana Botany", 2nd ed. Ron Publishing, California.

[26] vgl. Green, G. (2005). "The Cannabis Breeder's Bible", Green Candy Press, 2005, S. 49.

[27] Ebd. S. 50.

[28] der Prozess des Einfangens von externem Material durch die Zelle, der durch die Bildung von Membranvesikeln durchgeführt wird.

[29] der Prozess, durch den intrazelluläre Vesikel (Membranvesikel) mit der äußeren Zellmembran verschmelzen.

[30] vgl. Jung, G. (2009): "Organische Chemie. Grundlagen, Verbindungsklassen, Reaktionen, Konzepte, Molekülstruktur, Naturstoffe". 6., überarb. Auflage. Thieme, Stuttgart. S. 936.

[31] Ebd. S. 937.

[32] http://www.zytologie-online.net/photosynthese.php

[33] vgl. Schatz, G. (1995): "Mitochondria. Beyond oxidative phosphorylation". In: Biochimica et Biophysica Acta. Band 1271, Nr. 1, 24. S. 123.

[34] Ebd. S. 124ff.

[35] vgl. Alberts, B. et al. (2002). "Molecular Biology of the Cell". 4. Auflage.

[36] Ebd.

[37] vgl. Lüllmann-Rauch, R. & Asan, E. (2015): "Taschenlehrbuch Histologie". 5. Auflage. Thieme, Stuttgart.

[38] vgl. Theiß, H. & Hügel, B. (1995): "Experimente zur Entwicklungsbiologie der Pflanzen - Phytohormone". Quelle & Meyer, Wiesbaden.

[39] Ebd.

[40] vgl. Decker, E. L.; Frank, W.; Sarnighausen, E.; Reski, R. (2006): "Moss systems biology en route: Phytohormones in Physcomitrella development". In: Plant Biology. 8, S. 397.

[41] Ebd. S. 397f.

[42] Ebd.

[43] Theiß, H. & Hügel, B. (1995): "Experimente zur Entwicklungsbiologie der Pflanzen - Phytohormone". Quelle & Meyer, Wiesbaden.

[44] Ebd.

[45] Theiß, H. & Hügel, B. (1995): "Experimente zur Entwicklungsbiologie der Pflanzen - Phytohormone". Quelle & Meyer, Wiesbaden.

[46] Ebd.

[47] vgl. Morales, P.; Hurst, D. P.; Reggio, P. H. (2017). "Molecular Targets of the Phytocannabinoids: A Complex Picture". In Kinghorn, A. Douglas; Falk, Heinz; Gibbons, Simon; Kobayashi, Jun'ichi (eds.). Phytocannabinoids: Unraveling the Complex Chemistry and Pharmacology of Cannabis sativa. Progress in the Chemistry of Organic Natural Products. 103. Springer International Publishing.

[48] Ebd.

[49] vgl. Grassa, G.J. et al. (2021). "A new Cannabis genome assembly associates elevated cannabidiol (CBD) with hemp introgressed into marijuana". In: New Phytologist. URL: https://nph.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/nph.17243

[50] Ebd.

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