Marktsegmentierung und Marktpotential in der Cannabisindustrie

Einleitung

Neben der psychoaktiven Substanz Tetrahydrocannabinol (THC), die das «High» auslöst, enthalten Cannabispflanzen über 100 weitere Wirkstoffe.[1] Hanföl, das Cannabidiol (CBD) enthält, hat beispielsweise entzündungshemmende Eigenschaften und wird in den Vereinigten Staaten häufig als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Hanffasern können zur Herstellung von Verpackungsmaterialien verwendet werden – bieten also eine erneuerbare Alternative zu Plastik.

Die Cannabispflanze kann problemlos drinnen und draussen angebaut werden was dazu geführt hat, dass es fast überall auf der Welt produziert und verkauft wird. In etwa 30 Ländern in Asien, Europa und Amerika ist der Cannabisanbau bereits erlaubt.[2] In den letzten Jahren ist die Zahl der Bundesstaaten, die Pilotprogramme für agroindustriellen Hanf eingerichtet haben, in die Höhe geschossen, was zu einem erheblichen Wachstum der heimischen Produktion geführt hat.[3]

Zudem steigt die Nachfrage nach aus Cannabis hergestellten Produkten stetig an.

Segmentierung

Industrie

Zwischen 2011 und 2012 führte das UNODC eine mehrsprachige Studie durch, um Internetseiten zu untersuchen, die weltweit Saatgut anbieten.[4] Die Studie identifizierte 19’713 verschiedene Marken, die die Samen vermarkteten; 122 davon hatten ihre eigenen aktiven Websites. Die Zahl der Wiederverkäufer ist viel grösser und eine globale Schätzung ist nicht möglich. Betrachtet man die «offiziellen Wiederverkäufer» an, die auf den Marken-Websites aufgeführt sind, gibt es 51 Wiederverkäufer in 19 verschiedenen Ländern, aber die tatsächliche Zahl der Samenshops wird vermutlich sehr viel höher sein.[5]

Echte Kräuterläden verkaufen normalerweise eine breite Palette von Produkten im Zusammenhang mit der Produktion und dem Konsum von Cannabis. Online-Händler, die sich auf eine Samenmarke spezialisiert haben, scheinen jedoch fast ausschliesslich nur Cannabissamen anzubieten.[6]

Alle über das Internet verkauften Cannabissamen fallen in eine von drei Kategorien – «reguläre», «feminisierte» oder «selbstblühende» Samen:[7]

  1. Gewöhnliche (reguläre) Samen produzieren fast gleich viele männliche und weibliche Pflanzen. Um ein gutes, für den Cannabiskonsum geeignetes Produkt zu erhalten, müssen männliche Pflanzen frühzeitig identifiziert und aus konventionellem Saatgut entfernt werden, um eine Bestäubung weiblicher Pflanzen zu vermeiden.
  2. Feminisierte Samen gehen dieses Problem an. Es handelt sich hierbei um Samen, die aus speziell behandelten Pflanzen gewonnen werden. Diese bringen fast mit 100%iger Garantie weibliche Pflanzen hervor.
  3. Selbstblühende Samen sind durch Kreuzung gewonnene Hybriden, die unabhängig von jeder Änderung der Tageslichtstunden zu blühen beginnen. Selbstblühende Cannabissorten sind kleiner, haben geringere Erträge und enthalten weniger THC. Die Unabhängigkeit der Blütezeit vom Tageslicht ermöglicht mehr als eine Ernte pro Jahr im Freiland.

Die meisten der angebotenen Samen sind feminisierte Samen. In einer Stichprobe von 697 über das Internet verkauften Samensorten sind 60,5 Prozent feminisiert; 25,7 Prozent sind gewöhnliche Samen; und die restlichen 13,8 Prozent sind selbstblühende Samen.[8]

Fast alle Anbieter gaben an, wie lange es schätzungsweise von der Aussaat bis zur Blüte dauern wird, sowie die prognostizierten Erträge pro Quadratmeter (im Innenbereich) oder pro Pflanze (im Freien) in Gramm. Der geschätzte THC-Gehalt (Prozentsatz) und die erwartete Pflanzenhöhe wurden weniger häufig gemeldet; äusserst selten war die Konzentration von Cannabidiol (CBD) angegeben.[9]

Cannabissamen sind teuer: 10 Samen kosten zwischen 15€ und 180€ (ungefähr 19$ und 230$), wobei die meisten Preise zwischen 50€ und 70€ (64$ und 90$) liegen.[10] Eine Packung enthält normalerweise 5 oder 10 Samen, aber es gibt auch Packungen mit 1, 3 und 7 Samen (insbesondere mit Samen von feminisierten und selbstblühenden Sorten). Der Preis pro Samen sinkt mit zunehmender Packungsgrösse.[11]

Die teuersten Samen sind feminisiert, gefolgt von selbstblühenden und regulären Samen. Es wurde keine Beziehung zwischen dem Preis pro Samen, dem THC-Gehalt, dem Ertrag oder dem produzierten THC hergestellt. Somit liefern die Preisdaten kein allgemeines Preismodell für Saatgut, das Ertrag oder Wirkstoffgehalt widerspiegelt. Zwischen den einzelnen Ländern gab es keine signifikanten Preisunterschiede.[12]

Es gibt einen allgemeinen Ansatz für den Verkauf von Samen über das Internet: Aus Cannabissamen gewonnene Produkte werden mit Eigenschaften beschrieben, die man häufig in Wein- und Tabakwerbung findet. Verschiedene Cannabissorten werden nicht nur wegen ihrer psychoaktiven Wirkung vermarktet, sondern auch wegen ihres Geschmacks und ihrer Qualität sowie wegen der Schönheit der Pflanzen.[13]

Im Jahr 2008 wurde die weltweite Anbaufläche für Cannabispflanzen auf 200’000 bis 641’800 Hektar geschätzt, mit Erträgen von 13’300 bis 66’100 Tonnen Cannabispflanzenmaterial und 2’200 bis 9’900 Tonnen Cannabisharz. Diese Schätzungen basieren auf gemeldeten Informationen und sollten daher mit Vorsicht behandelt werden.[14]

Der internationale Cannabissamenmarkt hat einen sehr grossen potenziellen Kundenstamm: Fast jeder auf der Welt, der Cannabis in Betracht zieht oder bereits anbaut oder konsumiert, ist ein potenzieller Käufer. Eine Umfrage unter regelmässigen Konsumenten im Vereinigten Königreich Grossbritannien und Nordirland ergab, dass die Mehrheit der Befragten (63 Prozent) bereits versucht hatte, ihre eigene Cannabispflanze anzubauen. Ungefähr 34 Prozent der Cannabiszüchter bauten Pflanzen aus Samen an, die auf dem kommerziellen Markt erhältlich sind, und 43 Prozent verwendeten Samen als mindestens eine ihrer Quellen. Weitere 13 Prozent verwendeten ausschliesslich Triebe und 20 Prozent verwendeten Triebe zumindest teilweise.[15]

Im traditionellen Freilandanbau werden Cannabispflanzen durch Aussaat von lokal produziertem Saatgut angebaut. Das Saatgut wird entweder von den Bauern selbst produziert oder sich gegenseitig zur Verfügung gestellt oder auf dem Schwarzmarkt gekauft. Somit scheint der Cannabissamenmarkt dem anderer legaler und traditionell angebauter Pflanzen sehr ähnlich zu sein.

In der modernen Cannabisproduktion, die sich durch den Einsatz fortschrittlicher technologischer Methoden auszeichnet, werden die meisten Pflanzen durch Klonierung gewonnen, damit standardisierte Pflanzenarten mit garantierten Eigenschaften problemlos in grossen Mengen reproduziert werden können. Cannabissamen spielen jedoch eine wichtige Rolle bei der Herstellung neuer Pflanzensorten.[16] Es gibt einen globalen Markt für hochwertige Cannabissamen, die im industriellen Massstab produziert und vermarktet werden; dieser richtet sich speziell an kleine und alleinige Verbraucherzüchter. Dieser Markt wird als «Markt für Qualitätsprodukte» positioniert: Die Samen sind hier teuer und liefern, wie die Verkäufer versprechen, potente Cannabisprodukte mit den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, Effekten und Wirkungen. Diese Samen können in Fachgeschäften und online gekauft werden und werden in kleinen Mengen und in Tarnverpackungen weltweit versandt, um eine Beschlagnahme durch den Zoll zu vermeiden.[17]

Der Handel mit kommerziell hergestellten Cannabissamen trägt indirekt zur Verbreitung der «Cannabiskultur» bei, die sich rund um den Konsum und den Anbau von Cannabis entwickelt hat. Diese Kultur findet sich in Cannabismagazinen, Fanclubs, Kampagnengruppen und Cannabismessen auf der ganzen Welt, die alle darauf abzielen, Cannabis als Lifestyle-Produkt zu vermarkten. In diesem Sinne kann die Vermarktung von Cannabispflanzen mit der Vermarktung von Tabak, Wein und anderen alkoholischen Getränken verglichen werden, da sie darauf abzielt, die unterschiedlichen Geschmäcker und Vorlieben der Verbraucher zu befriedigen.

Auf Cannabismessen treffen sich Hersteller und Anbieter aller notwendigen Geräte für den Anbau und Konsum:[18] Hydrokultursysteme, Lampen für den Pflanzenanbau und Geräte wie Pfeifen, Wasserpfeifen zum Rauchen von Marihuana und Dampfinhalatoren werden angeboten. Produzenten, Züchter und Lieferanten kommen zusammen, bilden Netzwerke und informieren die Öffentlichkeit über die neuesten Entwicklungen.

Verwendungszweck

Derzeit gibt es weltweit drei Arten des Cannabisanbaus: agroindustrieller, medizinischer und Freizeit-Cannabisanbau.[19]

Zu Freizeitzwecken wurde Marihuana erst vor relativ kurzer Zeit legalisiert: Heute ist Marihuana in Kanada und einer Reihe von US-amerikanischen Bundesstaaten (einschliesslich Kalifornien) vollkommen legal und in vielen europäischen Ländern entkriminalisiert. Ob und wann Marihuana weltweit als legale Substanz anerkannt wird, ist eine offene Frage.

Die Vorteile der THC-haltigen Pflanze wurden im Labor nachgewiesen und heute ist Marihuana weit verbreitet verwendet, um chronische Schmerzen bei Krebs und anderen schweren Krankheiten zu behandeln, Krämpfe zu lindern und sogar schwere Formen der Epilepsie zu lindern.[20] Laut dem Marijuana Policy Project konsumieren mittlerweile über 3 Millionen Patienten in den Vereinigten Staaten regelmässig verschreibungspflichtiges Marihuana.

Die faserige Struktur des Stängels der Cannabis Sativa-Pflanze macht sie ausserdem zu einem der Top-Anwärter auf die Marktführerschaft bei nachwachsenden Rohstoffen. Verpackungsmaterialien aus Hanf sind eine umweltfreundliche und nachhaltige Alternative zu Plastik.[21] Hanf kann auch zur Herstellung von Papier, Kleidung und sogar Baumaterialien verwendet werden; Hanfsamenöl wird in Lacken und Farben verwendet.

Die Vorteile der industriellen Nutzung von Cannabis enden hier noch nicht: Die Pflanze ist hervorragend darin, Kohlendioxid zurückzuhalten und den Boden von Giftstoffen zu reinigen.[22] Daher macht das ökologische Potenzial von Cannabis diese Branche für Impact-Investoren ausgesprochen attraktiv.

CBD-haltige Hanfpflanzenprodukte haben entzündungshemmende und reinigende Eigenschaften. In den Vereinigten Staaten wird CBD aktiv als Nahrungsergänzungsmittel verwendet, um Schlaf und Appetit zu verbessern. Der Umsatz mit CBD-haltigen Produkten wird laut BDS Analytics und Arcview Market Research bis 2024 die 20-Milliarden-Dollar-Marke überschreiten.[23]

Die aktive Entwicklung des Cannabismarktes hat auch die Aufmerksamkeit von Technologieunternehmen und Innovatoren auf sich gezogen. Heute entwickeln Dutzende von Start-ups E-Commerce-Plattformen; Verdampfer und andere Geräte zur Verwendung von Cannabis; Haushaltsgeräte zur Analyse der Qualität von Marihuana und vieles mehr. Zusammen bilden diese Technologien Canntech (Cannabistechnologie) – den neuesten Sektor, der zunehmend von Private Equity- und VC-Fonds beachtet wird.[24]

Aufgrund der Tatsache, dass es keine klare Abgrenzung der Cannabisindustrien sowie Kriterien zur Bewertung der Wirksamkeit von CBD-Produkten gibt, die sowohl aus Marihuana als auch aus medizinischem oder agronomischem Hanf gewonnen werden, ist auf dem Markt für Arzneimittel, Lebensmittel und Kosmetika mit CBD Verunsicherung entstanden. In diesem Zusammenhang verlangen die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) und die Europäische Kommission evidenzbasierte Protokolle, die die tatsächliche und nicht die angebliche medizinische Wirksamkeit von Produkten angeben.

Geografisch

Der weltweite Umsatz mit Hanfprodukten, ausgenommen Hanftextilien, belief sich 2018 auf 776 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 54,7% auf die USA, 22,8% auf die EU, 7,6% auf China, 11,3 % auf Süd- und Zentralafrika, 2,3% auf Kanada und 1,3% auf Australien.[25] Der weltweite Hanf-Textilmarkt erreichte im vergangenen Jahr 1,08 Milliarden US-Dollar. Die meisten Stoffe wurden in China verkauft; der Gesamtwert betrugt 846 Millionen US-Dollar (über 78 % des Weltmarktes).[26]

In der Welt ist der Hanfanbau ungleich entwickelt. Grosse Aussaatflächen dafür werden in Asien, vor allem in China und Nordkorea zugeteilt. China plant, die Aussaat in den nächsten fünf bis sieben Jahren im Zusammenhang mit dem staatlichen Programm zum Ersatz von Baumwolle durch Industriehanf zu erhöhen. In Europa sind die Produktionsführer Frankreich und die Niederlande.[27]

Regulatorien

Für die Produktion und den Verkauf jeder Pflanzenart gelten eigene Vorschriften für Anbau, Verarbeitung, Transport, Verkauf. In den USA werden diese beispielsweise von dem United States Department of Agrigulture (USDA) und der Drug Enforcement Administration (DEA) geregelt.[28]

In den Vereinigten Staaten ist geplant, die Kontrolle von Pflanzen zu verschärfen und häufiger auf den THC-Gehalt hin zu überprüfen.[29] Zusätzlich ist geplant, Überwachungstest der Hanfindustrie ausschliesslich Laboren durchzuführen, die bei der US-amerikanischen Drug Enforcement Administration (DEA) registriert sind.

Bei der Entwicklung eines geeigneten Modells zur Arzneimittelregulierung versuchen die Regierungen, den tiefgreifenden Konflikt zwischen der öffentlichen Gesundheit (um den riskanten und schädlichen Gebrauch von Substanzen zu minimieren) und kommerziellen Unternehmen, die Substanzen verkaufen (um Umsatz und Gewinn zu steigern) zu berücksichtigen.[30]

Schadensminimierung umfasst mehr als Entkriminalisierung. Um den Schaden tatsächlich zu verringern, muss Cannabis getestet, verfolgt und besteuert werden. Tests auf Expositionsstärke, Schimmel, Keime, Lösungsmittelreste, Pestizide und andere Verunreinigungen können dazu beitragen, einen sicheren Cannabiskonsum zu gewährleisten.[31] Das Überwachungssystem sollte so gestaltet sein, dass eine Kontamination von Cannabis leicht zurückverfolgt und die betroffenen Produkte vom Markt genommen werden können.

Es lohnt sich, die bestehenden Modelle zur Regulierung des Einzelhandelsverkaufs von Cannabis in Betracht zu ziehen:[32]

  1. Spezialisierte Apotheken: Apotheker oder andere zugelassene und geschulte Fachkräfte können Substanzen rezeptfrei verkaufen. Ein ähnliches Modell wurde beispielsweise für den Einzelhandelsverkauf von Cannabis in Uruguay übernommen.
  2. Lizenzierter Einzelhandel: Lizenzierte Geschäfte dürfen Substanzen mit geringem Risiko unter strengen Bedingungen verkaufen. Diesem Modell folgen zum Beispiel Cannabis-Einzelhandelsgeschäfte in Kanada.[33]
  3. Lizenzierte Lokale: Lizenzierte Einrichtungen wie Kneipen, Bars oder Cannabis-Coffeeshops ermöglichen den Verkauf von weniger riskanten Substanzen für den lokalen Konsum. Sie unterliegen strengen Auflagen.

Marktpotential

Verwendungszweck

Experten prognostizieren ein deutliches Wachstum des globalen Marihuana-Marktes. Von 2018 bis 2025 wird er Prognosen zufolge eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von fast 35 % aufweisen.[34] Gleichzeitig wurde 2016 das Volumen des weltweiten legalen Marihuana-Marktes auf 9,3 Milliarden US-Dollar geschätzt.[35] Der US-amerikanische Hanf-HDS-Nahrungsmittel- und -Getränkemarkt wird bis 2025 voraussichtlich einen Wert von 6 Milliarden US-Dollar erreichen. Der Umsatz mit CBD-Getränken wird bis 2025 auf 1,7 Milliarden US-Dollar und bei Nahrungsmitteln auf 950 Millionen US-Dollar prognostiziert - Analysten verzeichnen bereits jetzt einen Zustrom von Investoren.

Dieses signifikante Wachstum resultiert aus der Legalisierung von Cannabis in mehreren Ländern und der starken Nachfrage nach Marihuana sowohl für medizinische als auch für Freizeitzwecke. Gleichzeitig wird der grösste Teil des Cannabis weltweit aufgrund gesetzlicher Verbote in einer Reihe von Ländern immer noch illegal verkauft.

Geografisch

Der von US-Präsident Donald Trump unterzeichnete Farm Act von 2018 hat den globalen Cannabismarkt erheblich verändert.[36] In den Vereinigten Staaten selbst führte dies Jahr zu einem starken Anstieg der Zulassung von Züchtern (von 3’546 im Jahr 2018 auf 16’462 im Jahr 2019) und einem explosiven Wachstum der Hanfaussaatfläche (9’770 Hektar Cannabis im Jahr 2016, 25’541 im Jahr 2017, 78’176 im Jahr 2018 und 225’000 Hektar im Jahr 2019).[37] Es gibt 100 Gewächshaus-Cannabis-Anbauprojekte in 18 US-Bundesstaaten.

Die meisten Landesregierungen bieten Saatgutfarmen und Hanfverarbeitern finanzielle Unterstützung an. Im Jahr 2017 hat die Regierung des Staates New York beispielsweise ein 5-Millionen-Dollar-Zuschussprogramm für industrielle Hanfverarbeitungsprojekte eingerichtet.[38]

Der Umsatz von kanadischem Cannabis im Jahr 2021 wird voraussichtlich rund 4 Milliarden CAD (3 Milliarden US-Dollar) überschreiten, mit einem kombinierten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von ungefähr 1,2 Milliarden US-Dollar.[39]

Der Ausbauprozess der Cannabiszüchtung ist auch in anderen Ländern der Welt im Gange. Nach Angaben der European Industrial Hemp Association wurden im vorigen Jahr in der EU auf über 70’000 Hektar fast 250 Millionen Pfund Cannabis geerntet.[40] Der Grossteil der Ernte kommt aus Frankreich. Frankreich konzentriert sich ausschliesslich auf den Anbau von Faserhanf.

Dänemark hingegen fokussiert komplett auf den Anbau von medizinischem Cannabis und die Erforschung neuer Medikamente. In Portugal hat Enigma Unipessoal Lda in der Region Castelo Branco zuletzt 160 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche für denselben Zweck erschlossen.[41] Die Türkei plant, die Produktion von Hanfrohstoffen in der Automobil-, Papier- und Textilindustrie zu erhöhen und die Importe von Hanfprodukten aus der Ukraine und China zu reduzieren.[42]

Australien hat im Februar 2017 medizinisches Marihuana und im November 2017 den Verkauf von Saatgut und den Anbau von Cannabis legalisiert. Dies bedeutet, dass ausländische Saatgutproduzenten die Möglichkeit haben, Hanfnahrungsmittel und Rohstoffe für die Lebensmittelindustrie nach Australien zu exportieren.[43] Es wird erwartet, dass der legale Marihuana-Markt in Australien bis 2025 um durchschnittlich 46,1% wachsen wird.[44]

Die Indian Industrial Hemp Association (IIHA) hat kürzlich eine Investition von 1’100 Milliarden Rupien (ca. 150 Millionen US-Dollar) für den Hanfanbau im indischen Bundesstaat Uttarakhand angekündigt.[45] Darüber hinaus hat der Verband vorgeschlagen, den THC-Grenzwert auf 1,5 % anzuheben, um mehr einheimische Sorten für die industrielle Verwendung einbeziehen zu können. Der Hanfanbau für die Bauindustrie wird am intensivsten auf dem afrikanischen Kontinent betrieben, besonders in Malawi und Marokko (8’000 Tonnen jährlich).[46]

Nordamerika hatte mit 7,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016 den grössten Anteil am Marihuana-Handel auf dem Weltmarkt.[47] Die Vereinigten Staaten und Kanada werden voraussichtlich die grössten Märkte in Bezug auf die Einnahmen aus dem Cannabishandel bleiben.

Gleichzeitig prognostizieren Analysten, dass Europa bis Ende 2025 mit einem Anteil von 55,6 % der grösste Markt für legales Cannabis sein wird.[48] Mehrere europäische Länder haben Marihuana bereits für medizinische Zwecke legalisiert. Es wird erwartet, dass Länder wie Deutschland, Polen und Italien grosses Wachstumspotenzial bieten. Lateinamerikanische Länder wie Uruguay und Kolumbien wollen ebenfalls von der Legalisierung von Marihuana profitieren und dank der klimatischen Bedingungen sowie der billigen Arbeitskräfte zu bedeutenden Exporteuren werden.[49] Auch Israel spielt eine grosse Rolle auf dem Markt, da es eine führende Position in der Cannabisforschung und der darauf basierenden Entwicklung von Technologien zur Herstellung von Medikamenten einnimmt.[50]

Im Hinblick auf die Aussichten für den Cannabismarkt im Allgemeinen ist wichtig festzuhalten, dass steuerpflichtige und gesetzlich regulierte Körperschaften, Gewerkschaften und Verbraucherorganisationen naturgemäss der organisierten Kriminalität vorzuziehen sind. Die Kommerzialisierung kann zu einer aggressiven Vermarktung neuer, regulierter Substanzen führen, wie dies bei alkoholischen Getränken, Tabakprodukten und medizinischen Opioiden der Fall ist, was die Angst vor unkontrolliertem Konsumwachstum und Gesundheitsrisiken verstärkt. Diese Angst ist jedoch kein Grund, die Reform der Drogenpolitik aufzugeben, aber ein Grund, über Massnahmen nachzudenken, die helfen, solche Risiken zu minimieren. Es ist daher wichtig, regulatorische Kontrollstrukturen zu schaffen, die eine Kommerzialisierung und ein unreguliertes Marketing effektiv verhindern. Aus Fehlern aus der Tabak und Alkoholindustrie soll gelernt werden, wo übermässige Kommerzialisierung zu schweren Schäden für die öffentliche Gesundheit geführt hat.

 

[1] vgl. Hoch, E.; Schneider, M.; Friemel, C.M. (Hrsg.) (2019). "Cannabis: Potenzial und Risiko – Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme". Springer, Heidelberg. S. 18.

[2] vgl. FTI Consulting (2019). "Cannabis: valuation approaches in an evolving market". URL: https://www.fticonsulting.com/~/media/Files/us-files/insights/white-papers/cannabis-valuation-approaches-evolving-market.pdf.

[3] Ebd.

[4] vgl. Hoch et al. (2019). S. 44.

[5] Ebd. S. 46f.

[6] vgl. Ernst & Young (2019).

[7] vgl. Ranalli (2004). S. 123.

[8] vgl. FTI Consulting (2019).

[9] vgl. Ranalli (2004). S. 123.

[10] vgl. Schmidt, E. (2020). “Hemp & CBD market value: January 2020 price trends for crude, flower biomass, isolate, ACS Laboratory”. URL: https://acslabcannabis.com/blog/education/hemp-cbd- market-value-price-trends-for-crude-flower-biomass-isolate/.

[11] Ebd.

[12] vgl. Ranalli (2004). S. 124f.

[13] Ebd. S. 125.

[14] vgl. Williams, S. (2020). "5 Marijuana Stocks That Can Make Money During a Recession", The Motley Fool.

[15] vgl. Williams, S. (2020).

[16] vgl. Ranalli (2004). S. 127.

[17] vgl. Williams (2019).

[18] Ebd. S. 129.

[19] vgl. Ernst & Young (2019).

[20] Ebd. S. 196f.

[21] vgl. Carus, M. et al. (2008). "Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU)", Gülzower Fachgespräche, Band 26, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. S. 36.

[22] Ebd. S. 39f.

[23] URL: https://arcviewgroup.com/reports/

[24] vgl. Williams (2019).

[25] vgl. FTI Consulting (2019).

[26] vgl. Williams (2020).

[27] Ebd.

[28] URL: https://marijuana.procon.org/legal-recreational-marijuana-states-and-dc/

[29] Ebd.

[30] Ebd.

[31] Ebd.

[32] vgl. FTI Consulting (2019).

[33] vgl. Government of Canada (2020). "About Natural Health Product Regulation in Canada". URL: https://www.canada.ca/en/health-canada/services/drugs-health-products/natural-non- prescription/regulation.html.

[34] vgl. Williams (2019).

[35] Ebd.

[36] vgl. FTI Consulting (2019).

[37] vgl. Williams (2020).

[38] URL: http://www.ncsl.org/research/civil-and-criminal-justice/marijuana-overview.aspx

[39] vgl. Williams (2020).

[40] vgl. Sikic (2020).

[41] Ebd.

[42] vgl. Ernst & Young (2019).

[43] vgl. Elixinol Global Limited Shareholder Report (2018). 9th Annual Australian Microcap Investment Conference.

[44] vgl. Elixinol Global Limited Shareholder Report (2018).

[45] URL: https://iihaindia.org/press-release/

[46] vgl. Ernst & Young (2019).

[47] Ebd.

[48] vgl. Williams (2020).

[49] vgl. Ernst & Young (2019).

[50] Ebd.

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