Parasiten und Schädlinge bei der Cannabiszucht

Einleitung

Der Anbau von Cannabis im Innen- und Außenbereich kann durch eine Vielzahl von Krankheiten beeinträchtigt werden, ausgelöst beispielsweise durch Insekten oder Pilze.[1] Der Cannabisanbau in Innenräumen wird in einer vollständig kontrollierten Umgebung durchgeführt, daher ist das Schädlingsrisiko oft kleiner wie beim Anbau im Freien - nichtdestotrotz braucht es in beiden Fällen ein durchdachtes Schädlingsmanagement.

Oft ist es am effektivsten, Schädlinge bereits präventiv von der Erstansiedlung abzuhalten. In diesem Artikel werden die wichtigsten Arten von Schädlingen und Parasiten der Cannabispflanze, sowie die effektivsten Präventions- und Bekämpfungsmassnahmen vorgestellt.

Schädlinge

Minierfliege

Beschreibung

In der Natur gibt es verschiedene Arten der Minierfliege aus der Familie der Agromyzidae. Der Ausdruck Minierfliege bezieht sich also nicht auf eine bestimmte Art von Insekt, sondern ist ein allgemeines Merkmal Fliegen, der Larven sich durch die Blätter einer Pflanze bohren.

Am häufigsten kommen Minierfliegen im Boden vor – ihre Flugfähigkeit ist begrenzt. Minierfliegen legen Eier unter die Ober- oder Unterseite der Pflanzenblätter, aus denen nach 8 Tagen Larven hervorgehen, die sich von den Pflanzenblattgeweben ernähren.[2] Aufgrund einer solchen Ernährung der Larven sind Minen in den Blättern erkennbar – „Passagen“, in denen die Exkremente der Larven verbleiben. Erwachsene Fliegen schädigen die Pflanze auch, indem sie Blattgewebe durchstechen und sich von ihrem Zellsaft ernähren oder Eier legen. Schon eine kleine Menge Minierfliegen auf den Blättern führt zu einer Abnahme des Pflanzenwachstums, die Pflanze wird schwächer und stirbt ab.[3]

Erscheinung und Symptome

Das erste Anzeichen einer Beschädigung sind kleine Gruben in den Blättern – Einstichstellen, die von Weiblichen Tieren hinterlassen wurden.[4] Später sind auf den Blättern Passagen verschiedener Formen erkennbar, die von den Larven der Fliegen genagt werden.

Behandlung

Die Methoden zum Umgang mit Minierfliegen ist je nach Entwicklungsstadium der Tiere unterschiedlich. Grundsätzlich sind Sprühprodukte, die Pyrethrum enthalten wirksam. Es ist erforderlich, fünf- bis sechsmal im Abstand von drei bis fünf Tagen zu sprühen.[5] Jedoch sollten Insektizide erst bei stärkerem Befall eingesetzt werden. Jedoch sind Puppen oft überhaupt nicht von Insektiziden betroffen, da bei einigen Arten die Verpuppungsphase im Boden auftritt. Die Bewässerung des Bodens mit Produkten, die Pyrethrum enthalten, bringt einige Erfolge bei sehr schweren Läsionen.[6]

Eier können mit paraffinhaltigen Mitteln zerstört werden. Das Imago (Endstadium der Entwicklung) von Minierfliegen kann auf klebrigen Oberflächen gefangen werden.

In Bezug auf natürliche Methoden ist es am effektivsten, die betroffenen Blätter zu entfernen und zu zerstören (z.B. verbrennen). Larven können mit natürlichen Feinden – beispielsweise der Schlupfwespe – bekämpft werden. Schlupfwespen legen ihre Eier in Minierfliegenlarven. Sie können jedoch nur in Gewächshäusern präzise und zielgerichtet eingesetzt werden.

Prävention

Es sollte darauf geachtet werden, nur sauberen und nicht infizierten Boden zu verwenden, da die Schädlinge meist mit dem Boden eingeschleppt werden.

Spinnmilbe

Definition

Spinnmilben (Tetranychidae) sind eine Familie von Zecken aus der Ordnung der Trombidiformes. Sie kommen weltweit auf allen Kontinenten vor - es gibt mehr als 1270 Arten und 95 Gattungen. Spinnmilben sind eine der häufigsten Schädlinge bei Cannabis und leider ziemlich schwer zu bekämpfen. Dies sind braune, graue, braune oder grüne Tiere von ca. 0,5 mm Länge. Sie beißen in die Blätter der Pflanze, um Nährstoffe aufzunehmen.[7]

Erscheinung und Symptome

Spinnmilben sind extrem klein und befinden sich normalerweise auf der Innenseite der Blätter. Sie setzen sich auf der Unterseite der Blätter ab und legen dort ihre Eier. Blattbisse erscheinen normalerweise als blasse Flecken. Diese wachsen dann zu größeren gelben Flecken an, dann stirbt das Blatt ab. Manchmal sind Spinnennetze erkennbar.[8]

Behandlung

Um Spinnmilbenbefall wirksam zu behandeln, ist es wichtig, sie frühzeitig zu erkennen. Zur visuellen Überprüfung legt man am besten ein Papier unter die Pflanze, schüttelt sie und untersucht danach mit einer Lupe, ob Spinnmilben auf das Blatt gefallen sind.

Grundsätzlich sind Spinnmilben relativ leicht zu bekämpfen, jedoch kehren sie oft wieder. Treten sie in großer Zahl auf, können Spinnmilben eine ganze Ernte innerhalb einer Woche zerstören. Es empfiehlt sich eine Kombination mehrerer der hier beschriebenen Methoden zu verwenden. Generell sollten flüssige Sprays nur bei ausgeschaltetem Licht gesprüht werden, damit die Blätter nicht verbrennen. Infizierte Blätter sollten vor Behandlung entfernt und verbrannt werden. Weiter hilft es in Indooranlagen den Luftstrom zur Pflanze und zum Boden zu erhöhen und die Temperatur auf das Minimum (20 – 21 ⁰С) zu senken.[9]

Unter Bio-Produkten ist Seifenwasser ein weit verbreiteter und billiger Weg, um die meisten Schädlinge loszuwerden – leider ist er aber bei weitem nicht der effektivste.[10] Bei dieser Methode werden ein oder zwei Tropfen Kastilienseife oder eine insektizide Seife mit einem Liter Wasser gemischt und anschließend auf die Pflanze gesprüht. Optimalerweise rutschen dann die Spinnmilben von der glatten Blattoberseite. Diesen Vorgang sollte jedoch unbedingt täglich wiederholt werden. Der einfachste Weg, Milben abzutöten, ist die Verwendung von Neemöl (gemischt mit etwas Spülmittel). Auch manche ätherische Öle wie Rosmarin und Zimt sind besonders wirksam gegen Spinnmilben. Spinosad (was ein organisches Insektizid ist) kann ebenfalls gegen Spinnmilben verwendet werden. Der Einsatz von natürlichen Feinden wie Marienkäfer funktioniert gut, wenn die Pflanzen im Freien stehen.

Was anorganische Mittel betrifft, werden spezielle Akarizide oder Insektoacarizide verwendet. Jedoch kann nach Anwendung für einige Wochen die Ernte nicht verzehrt werden.

Prävention

Es ist notwendig, eine gute Luftzirkulation in der Box oder im Wachstumsraum aufrechtzuerhalten. Zudem hilft es, die Pflanzen gründlich mit einer Vielzahl von Produkten zu besprühen, wie z. B.: „Azamax“, „Mighty Wash“.[11] Zudem schützen niedrige Temperaturen eher vor einem Befall sowie das Entfernen von Pflanzenreste aus dem Anbauraum.[12]

Raupen

Definition

Einige der Raupen oder Schmetterlingslarven sind mit weichen Borsten bedeckt, während andere Raupen eher "pelzig" sind. Die Raupe überwintert in einem dichten Spinnenkokon im Boden in einer Tiefe von ca. 5 cm. Der Schädling reduziert den Ertrag von Hanfsamen um 40 – 60 % und die Qualität der Faser um bis zu 45 %.[13]

Erscheinung und Symptome

Wenn der Züchter Marihuanasamen im Freien anbaut, werden früher oder später Raupen auf den Pflanzen sichtbar. Im Frühjahr treten bei einer Temperatur von 9-10 °C Raupen aus ihren Kokons aus und verpuppen sich Anfang Mai im Boden oder in Pflanzenresten.[14] Der Flug der ersten Generation wird Mitte Mai beobachtet. Die Raupen schädigen Blätter, Stängel und Samen. Sie skelettieren das Blatt von der Unterseite in der Nähe der Adern. Gebissene Blätter sind jedoch das sicherste Zeichen für eine Schädigung der Raupe: Zuerst sind weiße Spuren-"Pfade" auf der Blattoberfläche und dann Löcher sichtbar. Puppenhäute und Raupenkot sind weitere Anzeichen.[15]

Behandlung

Raupenlarven sind große Individuen und können leicht von Hand entfernt werden. Ansonsten gibt es auch sichere biologische Insektizide. Es ist auch effektiv, die Pflanzen mit Kräuterkochungen zu behandeln, die auf Pfefferknöterich und rotem Holunder basieren.[16]

Prävention

Die oben erwähnte Kräuterkochungen auch präventiv angewendet werden. Sie werden manchmal mit Seifenwasser gemischt.

Thripse

Definition

Thripse, Blase oder Fransenflügler (Thysanoptera) sind kleine, sich schnell bewegende, geflügelte Insekten, länglich geformt und oft unsichtbar, da sie sich besonders tagsüber an den Unterseiten der Blätter halten. Thripskolonien können die gesamte Ernte innerhalb von 30 Tagen zerstören.[17] Die weiblichen Thripse legen Eier in die jungen Blätter der Pflanze. Larven ernähren sich nicht mehr vom Saft der Blätter sondern von der Wurzeln und schädigen so das Wurzelsystem. Der gesamte Lebenszyklus von Thripsen von der Larve bis zum erwachsenen Insekt dauert 25 bis 30 Tage.

Erscheinung und Symptome

Die Thripse kratzen die obere Haut der Blätter ab und saugen dann den Saft aus ihnen. Auf diese Weise durchbohren sie die Cannabisblätter und hinterlassen glänzende, silberne oder bronzene Punkte an den Bissstellen, die manchmal schleimig erscheinen. Diese Punkte sind größer als diejenigen, die von Spinnmilben stammen, und sie sind auch oft ungleichmäßiger verteilt. Bei schweren Schäden fallen die Blütenstände ab.[18]

Behandlung

Betroffene Blätter sollten entfernt und verbrannt werden. Behandlung können mit insektizider Seife, abgekochtem Pfeffer, Senf, Schafgarbe und Tabak durchgeführt werden.[19] Wenn mehrere Pflanzen im selben Raum wachsen, muss der betroffene Cannabisbusch unbedingt isoliert werden.[20] Es ist auch möglich, Thripse mit Hilfe von räuberischen Insekten – natürlichen Feinden von Thripsen – Amblyseius cucumeris zu bekämpfen.

Insektizide auf Spinosad-Basis wirken am effektivsten. „Fitoverm“, „Vermitic“, „Agravertin“ oder „Actellik“ eignen sich ebenfalls gut. Es ist notwendig, die Behandlung eines isolierten Busches 3-4 Mal alle 7 Tage zu wiederholen. Danach dürfen Pflanzenprodukte einige Zeit nicht konsumiert werden.

Prävention

Thripse mögen ein warmes Klima mit hohen Temperaturen und relativ niedriger Luftfeuchtigkeit. Daher hilft es, die Pflanzen alle 3-4 Tage zu duschen oder zu besprühen. Auch Leimfallen (beispielsweise mit Klebeband) wirken effektiv gegen die Fluginsekten.[21]

Weiße Fliege

Definition

Weiße Fliegen oder Aleurodiden (Aleyrodidae) sind eine Familie kleiner Homoptera-Insekten aus der Unterordnung der Sternorrhyncha.[22] Es gibt ungefähr 1550 Arten, davon ca. 20 Arten in Mitteleuropa. Europäische Arten der Familie sind normalerweise etwa 1,3 bis 1,8 mm lang und haben vier weiße Flügel.[23] Sie ernähren sich von Pflanzensäften und haften normalerweise an der Unterseite der Blätter. Weiße Fliegen sind auch Träger von Virusinfektionen.

Erscheinung und Symptome

Weiße Fliegen verhalten sich genauso wie Spinnmilben. Insekten verstecken sich unter dem Blatt und saugen Nährstoffe aus der Pflanze. Dies führt zum Auftreten von weißen Flecken auf der Oberseite des Blattes. Auf der Oberseite der darunter liegenden Blätter erscheint eine glänzende Blüte (Honigtau). Dies sind die Exkremente der Insekten, auf denen sich anschließend rußige Pilze entwickeln, wodurch die Oberfläche des Blattes zuerst weiß und dann schwarz wird. Es wird angenommen, dass es die rußigen Pilze sind, die die Pflanze stark schädigen können, und nicht direkt die Weiße Fliege. Befallene Blätter färben sich gelb, kräuseln sich teilweise und sterben ab.[24] Weiße Fliegen sind mit bloßem Auge leicht zu erkennen. Wenn die Pflanze geschüttelt wird, fliegen sie auf.

Behandlung

Zunächst müssen die Blätter, in denen sich die Larven der Weißen Fliege befinden, entfernt werden. Es lohnt sich auch, die Pflanze mit sauberem Wasser abzuspülen, da Weiße Fliegen gut abzuwaschen sind.[25] Leimfallen können verwendet werden, um Erwachsene zu fangen. Übliche Insektizide wirken auch gegen die Weiße Fliege (siehe Thripse).

Weiße Fliegen mögen keine Temperatursenkungen, daher ist es oft auch wirksam, die Pflanze in einen kühleren Raum zu bringen. Die Bekämpfung mit Hilfe der Puppen des Encarsia-Parasiten ist in Gewächshäusern möglich. Auch Infusionen von Knoblauch, Tabak und Löwenzahn ist eine vergleichsweise wirksame natürliche Bekämpfungsmethode.[26]

Prävention

Die Weiße Fliege tritt dort auf, wo hohe Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit kombiniert werden (hauptsächlich Gewächshäuser), nicht genügend Belüftung vorhanden ist und die Pflanzen zu eng platziert sind. Aus diesem Grund ist es zunächst erforderlich, in der Anlage ein optimales Feuchtigkeits-Temperatur-Regime und eine optimale Belüftung zu gewährleisten.[27]

Blattlaus

Definition

Blattläuse (Aphidoidea) sind eine Überfamilie von Insekten aus der Ordnung der Hemiptera. Es sind etwa 5.000 Arten von Blattläusen bekannt, von denen fast tausend in Europa leben.[28] Alle Blattläuse ernähren sich von Pflanzensäften. Darüber hinaus sind viele Arten in der Lage, Pflanzenviren zu verbreiten und Anomalien wie Gallen und gallenartige Formationen in Pflanzen zu verursachen. Blattläuse sind Insekten mit weichem Körper und einer Größe von 1 bis 10 mm, die je nach Entwicklungsstand und Klima weiß, grün, gelb, schwarz, braun und rot sein können.[29] Einige Blattläuse haben Flügel, aber die meisten können nicht fliegen.[30] Ein Dutzend Blattläuse können in wenigen Wochen Hunderte oder Tausende von Blattläusen auf einer Pflanze produzieren.

Erscheinung und Symptome

Da Blattläuse meistens grün sind, werden anders farbige Blattläuse oft nicht als solche identifiziert. Grundsätzlich sind sie jedoch von Auge sichtbar.[31] Normalerweise leben diese Insekten in Kolonien, die sich an der Unterseite von Stielen und Blättern befinden. Darüber hinaus produzieren Blattläuse eine große Menge einer süßen, klebrigen Substanz. Die von diesen Insekten abgesonderten Tröpfchen ziehen schwarzen Schimmel an, der auf den Ansammlungen dieser Flüssigkeit wachsen und sich auf die Blätter und Zweige des Cannabis ausbreiten kann.[32]

Behandlung

Der beste Weg, um einen Blattlausbefall zu verhindern, besteht darin, das Problem frühzeitig zu erkennen. Daher ist es unbedingt erforderlich, die Pflanzen mindestens einmal pro Woche zu überprüfen. Die am meisten beschädigten Blätter und Zapfen werden am besten abgeschnitten.

Fettsäuresalze oder insektizide Seifen sind eine ausgezeichnete Wahl zur Bekämpfung von Blattläusen. Diese Produkte schwächen die äußere Hülle der Insekten, sind jedoch pflanzensicher und verbleiben nicht auf ihnen. Es ist wichtig, regelmäßig Seife zu verwenden.[33] Neemöl ist ein natürliches Heilmittel, das gegen viele Arten von Insekten und Schimmelpilzen sehr wirksam ist. Es kann jedoch Knospen einen unangenehmen Geschmack und Geruch verleihen, daher sollte es während der Blüte mit Vorsicht angewendet werden.[34]

Spinosad ist ein organisches Insektizid, das Blattläuse bei Kontakt abtötet. Es ist notwendig, alle Stellen zu besprühen, an denen sich Insekten befinden, insbesondere die unteren Teile der Blätter.[35] Es ist möglicherweise nicht so stark wie andere Insektizide, aber für Tiere, Menschen und Pflanzen völlig sicher. Insektizide, die das Nervensystem von Insekten wie Malathion, Dursban (Chlorpyrifos) und Dichlorbenzol (Acephat) angreifen, sollten jedoch nicht verwendet werden.[36] Sie wurden entwickelt, um die Blattlauspopulation auf schattigen Bäumen und Zierpflanzen zu kontrollieren.

Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen können eine große Anzahl von Blattläusen fressen und sind in jedem Garten willkommene Gäste.[37]

Prävention

Die beste Prävention in diesem Fall ist die regelmäßige Überprüfung des Cannabis auf Blattlauskolonien.

Schildlaus

Definition

Schuppeninsekten (Diaspididae) sind eine Familie von Hemiptera-Insekten. Es gibt über 2400 Arten, von denen viele Pflanzenschädlinge sind.[38] Die Schildblattlaus erreicht eine Größe von 1,5 bis 4 mm. Die Arten unterscheiden sich jedoch oft in Farbe und Größe.[39]

Die Weibchen sind durch Neotenie gekennzeichnet: Im Erwachsenenalter sind sie frei von Gliedmaßen, Antennen und Augen und ähneln äußerlich Larven. Der Körper des Weibchens ist mit einem dichten Schild bedeckt. Die Männchen hingegen haben Flügel und leben weniger als einen Tag.[40]

Erscheinung und Symptome

Die Schuppeninsekten haften an der unteren Seite des Blattes, an den Trieben und auch an den Stämmen der Pflanze. Wenn eine intensive Infektion auftritt, sind die Blätter entlang der Venen mit Plaque bedeckt (bestehend aus der Ansammlung von Insekten). Betroffene Cannabiskulturen wachsen nicht mehr weiter, die Blätter färben sich gelb und fallen ab.[41]

Behandlung

Beschädigte Pflanzenorgane sollten entfernt werden. Wenn die Läsionen zu schwerwiegend sind, sollten die Schädlinge mit einer weichen Bürste oder mit Seifenwasser angefeuchteten Wattestäbchen von den Pflanzen entfernt werden.[42] Die Staub- und Insektenreste müssen mit einer schwachen Essiglösung abgewaschen werden. Um die Larven zu entfernen, sollte mit grüner Kaliseife (20-30 g pro 1 Liter Wasser) gesprüht werden. Die Behandlung sollte während ca. zwei Wochen wiederholt werden.

Prävention

Pflanzen müssen häufig inspiziert und Insekten bereits zu Beginn ihres Auftretens vernichtet werden.

Trauermücken

Definition

Sciariden, Blattmücken, Bodenmücken oder Trauermücken (Sciaridae) sind eine Familie von Dipteren.[43] Sciariden sind ca. 2 mm lange Mücken, die ihre Larven in die oberste Schicht des Bodens legen. Erwachsene Insekten sind Träger schwerer Cannabiskrankheiten - ihre Larven ernähren sich von den Wurzeln der Pflanze.[44]

Erscheinung und Symptome

Das Hauptsymptom, ist die Herde kleiner Fliegen, die um die Cannabispflanze herumfliegen. Bei Befall sollte der Zustand der Wurzeln überprüft werden. Der einfachste Weg, Insektenlarven nachzuweisen, besteht darin, den Boden zu überschwemmen – die Larven kriechen an die Oberfläche.[45] Äußerlich können die mit der Pflanze ablaufenden Prozesse einem Mangel an Nährstoffen ähneln. Das Pflanzenwachstum verlangsamt sich oder kann ganz aufhören.

Behandlung

Neemöl und gelbes Klebeband sind die wirksamsten Mittel gegen die Trauermücke. Bei einer Behandlung mit Neemöl, sollte man zuerst die oberste Schicht des Bodens austrocknen (lassen). Danach muss der Boden mit Neemöl (nach den Anweisungen auf der Sprühflasche) behnandelt werden. Neemöl kann bis zu einer Woche vor der Ernte verwendet werden.[46]

Es gibt auch Insektizide, die für Sciariden tödlich und für Cannabis sicher sind. Essentria IC3 Insektizide ist eine biologische Mischung aus verschiedenen Ölsorten für den Gartenbau.[47]

Prävention

Sciarid-Larven ernähren sich von Pilzen und verrottender organischer Substanz.[48] Sie benötigen feuchte Bedingungen, um zu existieren. Durch Überbewässerung der Pflanzen entsteht eine optimale Atmosphäre für das Leben der Mücken, was daher unbedingt vermieden werden sollte. Neue Cannabispflanzen sollten zudem sorgfältig untersucht werden - häufig werden Larven gleich mit dem Neuzuwachs transportiert.[49]

Schmierläuse

Definition

Mealybugs, Filz, falsche Kissen oder Schmierläuse (Pseudococcidae) sind eine Familie der Hemiptera. Die Familie umfasst über 2.200 Arten, von denen 330 in Europa vorkommen.[50] Schmierläuse sind klein bis mittelgroß: Sie erreichen eine Länge von 3 - 6 mm.

Erscheinung und Symptome

Schmierläuse sind am häufigsten auf jungen Blättern von Innenblumen, zwischen Venen oder in Blattachseln zu finden ist. Sie siedeln sich in Kolonien in Blattachseln und jungen Trieben an. Bei Beschädigung wird die Pflanze von Spinnennetzen bedeckt. Sie provozieren das Auftreten des Mobs (rußiger Pilz).[51]

Behandlung

Schädlinge werden manuell mit einer Pinzette entfernt oder mit einer leistungsstarken Sprühflasche aus Blättern weggespritzt. Insektizide Seife oder eine Tinktur aus 3 Teelöffeln Schachtelhalm und 100 ml Alkohol in einem Liter Wasser hilft gegen die jüngeren Tiere.[52]

Prävention

Diese Schädlinge bevorzugen warme, relativ trockene Luft. Die Bedingungen, die im Winter in einem beheizten Gewächshaus herrschen, sind für sie ideal. Daher ist es notwendig, die Temperatur so niedrig wie möglich zu halten und keine sehr trockenen Bedingungen zu schaffen.[53]

Parasiten

In diesem Kapitel werden einige parasitische Arten der Nematoden oder Spulwürmer (Nematoda) betrachtet. Sie gehören zur Art der Urmünder aus der Gruppe der Häutungstiere und sind sehr Artenreich. Es sind ungefähr 30 000 Arten beschrieben, aber die tatsächliche Vielfalt ist möglicherweise viel höher.

Heterodera Humili / Heterodera Schachtii

Definition

Heterodera ist eine Gattung von Nematoden der Familie der Heteroderidae. Mitglieder dieser Gattung sind obligate Parasiten (sie sind in ihrer Entwicklung also zwingend auf die Wirtspflanze angewiesen).[54] Heterodera humuli ist spezifisch für Cannabispflanzen pathogen. Die optimale Hauptwirtspflanze ist Humulus lupulus Hopfen, aber der Nematode kann auch in Cannabiswurzeln überleben.

Erscheinung und Symptome

Heteroderidae modifizieren Wirtswurzelzellen und bilden eine Nahrungsstelle (Zysten), von der die Nematoden Nährstoffe aufnehmen. Bei einer Infektion werden Zysten in fast jeder Bodenprobe der Cannabisplantage gefunden. Die meisten befinden sich in den oberen fünfzehn Zentimetern des Bodens, einige sind jedoch möglicherweise viel tiefer.[55] Betroffene Pflanzen zeichnen sich durch verkümmertes Wachstum, Welken und verminderten Ertrag aus.[56]

Behandlung

Ethylendibromid und Natriummetamid sind bei der Bekämpfung von Nematoden wirksam, aber leider nicht sehr wirtschaftlich noch ökologisch. Pflanzenrotationen sind sehr effektiv. Der Anbau unempfindlicher Pflanzen für 2 oder 3 Jahre zwischen Cannabispflanzungen kann den Nematodenspiegel drastisch senken.[57]

Prävention

Obwohl es viele Kontrollmethoden gibt, wird die Rotation mit unempfindlichen Pflanzen bevorzugt. Indem der Mutterboden trocken gehalten wird, wird verhindert, dass 90 % der Nematodenarten Eier legen. Zahlreiche nützliche Bakterien wie die Pasteuria-Penetranz können auch die Eier und Larven gefährlicher Nematoden abtöten. Indem das Substrat frisch gehalten, nützliche Bakterien gezüchtet, ein ausgewogener Bewässerungszyklus sichergestellt wird, können Pflanzen vor parasitären Nematoden geschützt werden.[58]

Meloidogyne inecognita / Meloidogyne javanica

Definition

Meloidogyne incognita (Knotennematode), auch als südlicher Wurzelnematode oder Baumwollknotennematode bekannt, ist ein pflanzenparasitärer Spulwurm aus der Familie der Heteroderidae. M. incognita ist weltweit verbreitet und kommt in vielen verschiedenen Bodentypen vor.

Erscheinung und Symptome

Es verursacht normalerweise die Bildung großer, unregelmäßiger Gallen an den Wirtswurzeln infolge von Parasitismus.[59] Von M. incognita betroffene Cannabispflanzen zeigen Symptome von Wasser- und Nährstoffstress, Vergilbung, Welke und Wachstumsverzögerung.[60]

Behandlung

Kontaktgifte (Methylmercaptophos, Karbofos, Phosphamid, Lindan) oder systemische Arzneimittel (Dimethoat) werden regelmäßig verwendet. Einige Nematizide (Chlorpikrin) haben eine komplexe Wirkung, die zu einer vollständigen Sterilisation des Bodens führt (eine Aussaat ist in diesem Fall erst wieder 20 - 50 Tage nach der Behandlung möglich.[61]

Prävention

Die Methoden zur Verhinderung dieser Art von Nematoden ähneln im Allgemeinen den oben beschriebenen (siehe Heterodera).

Ditylenchus dipsaci

Definition

Ditylenchus dipsaci kommt auf der ganzen Welt vor, ist aber besonders in gemäßigten Regionen verbreitet. Er ist allgemein bekannt als Stammnematode, Zwiebelnematode oder Zwiebelwurm.[62] D.dipsaci ist ein etwa 1,5 mm langer mikroskopischer Wurm. Die kleinen Würmchen leben zwischen Blattzellen und ernähren sich vom Zellsaft.[63] D. dipsaci kann auf oder in Pflanzengewebe überleben, bei ungünstigen Verhältnissen in die Kryptobiose eintreten und in diesem Stadium 3-5 Jahre überleben.[64]

Erscheinung und Symptome

Zu den Symptomen einer durch diese Nematoden verursachten Cannabispflanzenkrankheit gehören Wachstumsstörungen, Wurzelverfärbungen und geschwollene Stängel. D.dipsaci dringt in Pflanzenstomata oder Wunden ein und erzeugt Gallen oder Pflanzenfehlbildungen. Dadurch können sekundäre Krankheitserreger wie Pilze und Bakterien eindringen.[65]

Behandlung

Die Behandlung der Cannabispflanze für diese Art von Nematoden ist im Allgemeinen ähnlich den oben beschriebenen.

Prävention

Die Methoden zur Verhinderung dieser Art von Nematoden ähneln im Allgemeinen den vorherigen. Es ist auch wichtig, die Einschleppung von Nematoden zusammen mit infizierten Samen zu verhindern. Hierzu wird eine Vorbehandlung durchgeführt oder resistente Sorten ausgewählt.

 

[1] vgl. Chandra, S., Lata, H., ElSohly, M. A. (Eds.) (2017): “Cannabis sativa L. – Botany and Biotechnology”. Springer. S. 36.

[2] https://www.bio-gaertner.de/Pflanzenkrankheiten/Minierfliegen

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] vgl. Silver, J. (2020). “Growing Weed in the Garden: A No-Fuss, Seed-to-Stash Guide to Outdoor Cannabis Cultivation”. Abrams.

[6] vgl. Cervantes, J. (2000): “Marijuana Outdoors: Guerilla Growing”, Van Patten Publishing.

[7] Ebd. S. 7.

[8] vgl. Börner, H. (2009): „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“. Springer, Berlin u. a. S. 181.

[9] vgl. Silver, J. (2020). “Growing Weed in the Garden: A No-Fuss, Seed-to-Stash Guide to Outdoor Cannabis Cultivation”. Abrams.

[10] vgl. Börner, H. (2009): „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“. Springer, Berlin u. a. S. 184f.

[11] vgl. Silver, J. (2020). “Growing Weed in the Garden: A No-Fuss, Seed-to-Stash Guide to Outdoor Cannabis Cultivation”. Abrams.

[12] vgl. Börner, H. (2009): „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“. Springer, Berlin u. a. S. 186.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] vgl. Hall, D. W. (2014). "Featured Creatures: hickory horned devil, Citheronia regalis". University of Florida, Entomology and Nematology Department.

[16] vgl. Silver, J. (2020). “Growing Weed in the Garden: A No-Fuss, Seed-to-Stash Guide to Outdoor Cannabis Cultivation”. Abrams.

[17] Ebd.

[18] Ebd. S. 72f.

[19] vgl. Childers, C.C. (1997). Lewis, T. (ed.). “Feeding and oviposition injuries to plants. Thrips as Crop Pests”. CAB International. S. 529.

[20] Ebd. S. 530f.

[21] Ebd.

[22] vgl. Martin, J., Mifsud, D., Rapisarda, C. (2000). “The whiteflies (Hemiptera: Aleyrodidae) of

Europe and the Mediterranean Basin”. Bull. Ent. Res. 90: 407.

[23] Ebd. S. 408f.

[24] vgl. Hill, D. (1994). “Agricultural Insect Pests of Temperate Regions and Their Control”. Cambridge University Press, Cambridge New York, NY.

[25] vgl. Börner, H. (2009): „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“. Springer, Berlin u. a. S. 133.

[26] Ebd.

[27] Ebd.

[28] vgl. P. Burschel, P. Vité (1951): "Neue Beobachtungen über die Buchenblattbaumlaus Phyllaphis fagi L. (Hem., Aphididae)". In: Forstwissenschaftliches Centralblatt, Ausgabe 70, Nr. 3. S. 181.

[29] Ebd. S. 182f.

[30] vgl. O. E. Heie (1967): “Studies on Fossil Aphids (Homoptera: Aphidoidea)”. In: Spolia Zoologica Musei Hauniensis, Band 26, Kopenhagen.

[31] Ebd.

[32] vgl. P. Burschel, P. Vité (1951): "Neue Beobachtungen über die Buchenblattbaumlaus Phyllaphis fagi L. (Hem., Aphididae)". In: Forstwissenschaftliches Centralblatt, Ausgabe 70, Nr. 3. S. 185.

[33] Ebd.

[34] Ebd. S. 245.

[35] Ebd.

[36] Ebd.

[37] Ebd.

[38] vgl. Klausnitzer, B. (1997): "Coccina, Schildläuse". In Wilfried Westheide, Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/Jena. S. 654.

[39] vgl. E. Schmitschek (1980): „Manna“. In: Anz. Schadlingskde., Pflanzenschutz, Umweltschutz, Band 53, S. 113.

[40] Ebd. S. 655.

[41] Ebd.

[42] Ebd. S. 177ff.

[43] vgl. Menzel, F. (1999): „Revision der paläarktischen Trauermücken (Diptera, Sciaridae) unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Fauna“. Dissertation, Fachbereich Umweltwissenschaften der Universität Lüneburg. darin Kap. 4.2: Das Phänomen des Heerwurms.

[44] Ebd.

[45] vgl. Börner, H. (2009): „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“. Springer, Berlin u. a. S. 201.

[46] Ebd.

[47] Ebd.

[48] vgl. Börner, H. (2009): „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“. Springer, Berlin u. a. S. 209.

[49] Ebd. S. 212.

[50] vgl. Ben-Dov, Y. (1994): “A systematic catalogue of the mealybugs of the world (Insecta: Homoptera: Coccoidea: Pseudococcidae and Putoidae) with data on geographical distribution, host plants, biology and economic importance”. Intercept, Andover.

[51] vgl. K. Günther, H.-J. Hannemann, F. Hieke, E. Königsmann, H. Schuman (1994): „Urania Tierreich – Insekten. Urania, Leipzig, Jena.

[52] Ebd. S. 255.

[53] Ebd.

[54] Ebd. S. 87.

[55] vgl. Mende, N. Von (1995). "Biology of the hop cyst nematode Heterodera humuli". Annals of Applied Biology. 126 (3): S. 508.

[56] vgl. Dackman; Carin, Ilan; Chet, Nordbring-Hertz (1989). "Fungal Parasitism of the Cyst Nematode Heterodera schachtii: Infection and Enzymatic Activity". Microbiology Ecology. 62 (3): S. 201.

[57] vgl. Mende, N. Von (1995). "Biology of the hop cyst nematode Heterodera humuli". Annals of Applied Biology. 126 (3): S. 510.

[58] Dackman; Carin, Ilan; Chet, Nordbring-Hertz (1989). "Fungal Parasitism of the Cyst Nematode Heterodera schachtii: Infection and Enzymatic Activity". Microbiology Ecology. 62 (3): S. 208.

[59] vgl. Perry, R.N.; Starr, J.L. (2009). „Root-Knot Nematodes”. London: CABI International.

[60] Ebd.

[61] vgl. Börner, H. (2009): „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage“. Springer, Berlin u. a. S. 304.

[62] https://www.itis.gov/servlet/SingleRpt/SingleRpt?search_topic=TSN&search_value=196462

[63] Ebd.

[64] Ebd.

[65] vgl. Lucas George B., C. Lee Campbell, Leon T. Lucas (2001). Introduction to Plant Disease: Identification and Management, Second Edition. Kluwer Academic Publishers. Massachusetts.

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