Pilzbefall bei der Kultivierung von Cannabis

Einleitung

Pilze (Mycota) sind eine große Gruppe von chlorophyllfreien heterotrophen Organismen, die mehr als 75 000 beschriebene Arten umfassen.[1] Tatsächlich sind Pilze weder Pflanzen noch Tiere, sonder gehören zu einem unabhängigen Königreich lebender Organismen. Grobe Berechnungen zeigen, dass 1 g Boden schätzungsweise 1x109 Bakterien und 1x105 Pilze enthält.[2] Natürlich hat eine solch kolossale Anzahl lebender Zellen einen vielfältigen Einfluss auf die Prozesse im Boden und auf das Leben höherer Pflanzen. Die Wechselwirkungen können für beide Seiten vorteilhaft oder schädlich sein. Phytopathogene Pilze machen mehr als 80% alles bekannten Pflanzenpathogene aus.[3] Die Ertragsverluste von Kulturpflanzen aufgrund von Pilzkrankheiten variieren je nach agroökologischen Ressourcen und in können zwischen 5% und 30% betragen (in sehr schlimmen Fällen bis zu 50 % oder mehr).[4]

Bei den meisten echten Pilzen besteht der vegetative Körper aus dünnen, verzweigten Filamenten – Hyphen.[5] Die Gesammtheit der Hyphen wird Myzel genannt. Wenn sich Myzel auf der Oberfläche einer betroffenen Pflanze entwickelt, spricht man von oberflächlicher oder exogener Wirkung. Das Myzel, das sich im Substrat ausbreitet, wird als intern oder endogen bezeichnet. In machen Fällen dringt das endogene Myzel in die Zelle der Wirtspflanze ein.[6] In der Mehrheit der Fälle, breitet sich der Pilze jedoch über die Interzellularräume (also zwischen den Wirtszellen) aus.

Phytopathogene Pilze werden je nach Nahrungsquelle in Pflanzenparasiten (Phytotrophen) und Saprotrophen unterteilt. Phytopathogene Pilze sind Pilze, die in Pflanzen Krankheiten verursachen; saprotophe Pilze nutzen tote organische Substanz als Nahrung. Biotrophe Pilzpathogene besiedeln lebendes Pflanzengewebe und erhalten Nährstoffe aus lebenden Wirtszellen. Nekrotrophe Pilzpathogene infizieren und töten Wirtsgewebe und extrahieren Nährstoffe aus toten Wirtszellen.[7]

Zweck dieser Arbeit ist es, die häufigsten Pilze die Cannabispflanzen befallen können zu beschreiben. Zudem wird jeweils erklärt wie ein Befall verhindert und bekümpft werden kann.

Häufigste Arten von Pilzbefall

Botrytis Bryothis

Definition. Botrytis ist eine Gattung von mikroskopisch kleinen Pilzen der Familie der Sclerotiniaceae.[8] Diese Gattung umfasst mehr als 300 Arten. Sie befallen sowohl lebendes wie auch totes Pflanzenmaterial.[9] Botrytis cinérea ist der Erreger der Graufäule und wird häufig auf Cannabisblättern beobachtet.[10]

Erscheinung und Symptome. Die ersten Anzeichen der Graufäule sind braune Flecken an den Blattspreiten. Diese wachsen ziemlich schnell und auf dessen Oberfläche bildet sich eine graue Blüte mit Sporen.[11] Im Fall von Cannabis tritt Botrytis tendenziell an der Basis des Stiels auf.[12]

Behandlung. Wenn die prophylaktische Behandlung nicht funktioniert, ist es immer möglich, Neemöl zu verwenden, eine antimykotische Lösung, die bei der Bekämpfung von Pflanzeninfektionen sehr hilfreich ist.[13] Möglicherweise sind mehrfache Anwendungen nötig. Es ist zudem essenziell, infizierte Pflanzen in einen warmen Raum mit niedriger Luftfeuchtigkeit zu bringen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Prävention. Botrytis befällt Cannabis besonders bei kalten Temperaturen, abgestandener Luft und nass-feuchten Bedingungen.[14] Um Krankheiten vorzubeugen, sollte sichergestellt werden, dass keine dieser Bedingungen lange anhält, besonders nicht in Kombination. Die Luftfeuchtigkeit sollte 50 % nicht überschreiten.[15] Die Raumtemperatur sollte unter 20 Grad Celsius liegen.[16]

Echter Mehltau

Definition. Echter Mehltau (auch Asche oder Leinen genannt) ist eine Pilzkrankheit von Pflanzen, die durch mikroskopisch kleine ektoparasitäre Pilze verursacht wird.[17]

Erscheinung und Symptome. Mehltau erscheint als dünne weisse Schicht auf den Blättern.[18] Dies stört die Photosynthese und führt langfristig dazu, dass die Cannabispflanze aufgrund von Energiemangel abstirbt. Die Blätter schrumpfen, werden gelb und braun und sterben ab. Mehltau produziert wie Grauschimmel in späteren Stadien kleine schwarze Sporen, die sich auch auf dem Luftweg auf andere Pflanzen ausbreiten können.

Behandlung. Im Vergleich zu Botrytis gibt es etwas mehr Behandlungsmöglichkeiten für Mehltau. Der erste Schritt besteht darin, die infizierten Blätter zu entfernen und die Pflanze in eine warme Umgebung mit niedriger Luftfeuchtigkeit zu bringen.[19] Die Pflanze sollte dann mit spezialisierten Fungiziden besprüht werden. Knospen sollten daher wenn möglich nicht behandelt werden, um deren Qualität und Geschmack nicht zu beinträchtigen.[20]

Im Fall von Mehltau gibt es neben Fungiziden mehrere natürliche Heilmittel, die verwendet werden können. Zwei Teelöffel Apfelessig können in 1 Liter Wasser gegeben und die Pflanzen damit besprüht werden.

Prävention. Eine Möglichkeit, Mehltau zu verhindern, besteht mit der Auswahl resistenter Sorten.[21] Des Weiteren können regelmässig Komposttee oder Lösungen mit unterschiedlichen pH-Werten gesprüht werden.

Falscher Mehltau

Definition. Falscher Mehltau beschreibt eine Gruppe von Pflanzenkrankheiten, die durch Pseudopilze aus der Oomycetenklasse verursacht werden.[22] Plasmopara Viticola und Uncinula Necator kommen bei Cannabispflazen am häufigsten vor[23]

Erscheinung und Symptome. Falscher Mehltau ist auch durch das Auftreten von abgerundeten gelben, manchmal zusammenfließenden Flecken auf den Blättern gekennzeichnet. Die Unterseite der Blätter ist mit einer grau-lila Blüte bedeckt, die aus einer asexuellen Sporulation des Erregers der Krankheit besteht.

Behandlung. In Bezug auf chemische Methoden gibt es heute eine große Anzahl von Fungiziden auf Schwefelbasis zur Behandlung von Falschem Mehltau. Eine weitere Möglichekeit ist erneut die Behandlung mit Neemöl. Auch eine Milch-Wasser Mischung kann helfen. Ein oder zwei Tage nach der Bahndlung müssen die Reste der Milchlösung gründlich mit Wasser abgewaschen werden. Sonst hinterlässt die verdorbene Milch einen schrecklichen Geruch, der viele Insektenschädlinge wie Ameisen anzieht.[24] Eine Mischung aus zwei Drittel eines Teelöffels Bittersalz mit einem Viertel eines Teelöffels Backpulver pro Liter Wasser ist ebenfalls effektiv.

Prävention. Eine der Vorsichtsmaßnahmen, die getroffen werden können, ist die seltene Verwendung eines Schwefelbrenners.[25] Schwefelbrenner sprühen Schwefel in die Atmosphäre. Diese Dämpfe bedecken alles, einschließlich Pflanzen, und machen Oberflächen für das Sporenwachstum ungeeignet. Das Einatmen dieser Dämpfe kann allerdings gesundheitsschädlich sein, daher sollte der Bereich nach dem Eingriff gut belüftet werden.

Kartoffel-Mehltau (Spätfäule)

Definition. Kartoffel-Mehltau oder Spätfäule ist eine Pflanzenkrankheit, die durch Phytophthora verursacht wird. Sie gehören zur Gattung der pilzartigen Protisten aus den Oomyceten.[26]

Erscheinung und Symptome. Bleibender Nebel, Tau und Regen verursachen häufig Pflanzeninfektionen.[27] Die äußeren Erscheinungsformen der Spätfäule sind sehr unterschiedlich und hängen von den Umgebungsbedingungen ab. Im Krankheitsfall sind alle Pflanzenorgane betroffen. Meistens geht die Krankheit mit lila-braunen, braunen oder fast schwarzen Flecken auf den Früchten, Blättern, Stielen oder Wurzeln einher.

Behandlung. Spätfäule kann nur schwer besiegt werden. Kupferbasierte Fungizide eignen sich zur Bekämpfung.[28] Während der Behandlung können auch Medikamente eingesetzt werden, um die Symptome der Krankheit zu verhindern und zu unterdrücken. Hierbei handelt es sich um Stärkungsmittel, die zur raschen Erhöhung der natürlichen Immunität von Pflanzen gegen Spätfäule beitragen.

Prävention. Bei der Prophylaxe werden häufig dieselben Medikamente wie bei der direkten Behandlung verwendet, jedoch in unterschiedlichen Dosen und Zeitintervallen.[29]

Fusarium-Welke

Definition. Fusarium-Welke ist eine Pflanzenkrankheit, die durch Pilze der Gattung Fusarium verursacht wird.[30]

Erscheinung und Symptome. Kontaminierte Cannabispflanzen, reagieren es oft nicht auf Nährstoff- oder Düngerzusätze und welken selbst bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit.[31] Stark betroffene Sämlinge sterben ab. Die Stängel älterer Pflanzen am Wurzelkragen werden braun und dünner, die Pflanzen verkümmert. Bei hoher Luftfeuchtigkeit erscheinen an den betroffenen Pflanzenteilen weißliche oder milchig-rosa Pads. Im Querschnitt des Stiels ist die Bräunung des Ringes der Gefäßbündel sichtbar.[32]

Behandlung. Infizierte sollten entfernt und Pflanzenwunden mit Wasserstoffperoxid (H2O2) behandelt werden.[33]

Prävention. Pflanzen, die Samen produzieren und mit Fusarium infiziert wurden, sollten nicht weiter zur Samenproduktion verwendet werden.[34] Saure Böden begünstigen die Entwicklung eines Pilzstammes der Gattung Fusarium und sind daher zu vermeiden.

Alternaria

Definition. Alternaria bezeichnet eine Gruppe von Pflanzenkrankheiten, die durch Pilze der Gattung Alternaria verursacht werden, welche zur Klasse der Dothideomyceten gehören.[35]

Erscheinung und Symptome. Alternaria ist leicht zu erkennen und zeigt sich auf lebenden Blättern als klar abgegrenzte dunkelbraune oder schwarze Flecken. Ihre Oberflächen sind mit einer olivfarbenen, samtigen Blüte bedeckt, die aus Sporen des Erregerpilzes besteht. Mit der Zeit stirbt das Pflanzengewebe innerhalb der Flecken ab. [36]

Behandlung. Wenn Anzeichen der Krankheit bemerkt werden, ist es notwendig, unverzüglich mit Fungiziden sprühen. Cuproxat sowie Kupferoxychlorid sind für die Verwendung zugelassen.[37]

Prävention. Tiefes (mindestens 50 cm) Pflügen des Bodens im Herbst wirkt präventiv gegen Alternaria. Gleichzeitig sollte (wenn möglich) eine Sorte ausgewählt werden, die gegen Alternaria resistent ist.[38] Die Samen können vor der Aussaat präventiv behandelt werden. Zu diesem Zweck wird empfohlen, Tetramethylthiuramdisulfid in einer Dosis von 5 g pro 1 kg Samen zu verwenden.[39]

 

[1] Vgl. Hofrichter, R. (2017). „Das geheimnisvolle Leben der Pilze: Die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt“. 3. Auflage. Gütersloher Verlagshaus.

[2] Vgl. Börner, H. (2009). „Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz“. 8., neu bearb. und akt. Auflage. Springer.

[3] Vgl. Schlösser, E. (1997). „Allgemeine Phytopathologie“. 2. neubearbeitete Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.

[4] Vgl. Hoffmann, G.; Schmutterer, H. (1999). „Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Nutzpflanzen“. 2. erweiterte und ergänzte Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

[5] Vgl. Hofrichter, R. (2017). „Das geheimnisvolle Leben der Pilze: Die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt“. 3. Auflage. Gütersloher Verlagshaus.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Vgl. Steinmüller, R. (2013). „Mykotoxine und deren schneller Nachweis. Teil 1“. Mühle + Mischfutter. 150 (11). S. 343.

[8] Vgl. Staats, М.; van Baarlen, P.; van Kan, J. A. L. (2005). „Molecular Phylogeny of the Plant Pathogenic Genus Botrytis and the Evolution of Host Specificity“. Molecular Biology and Evolution. 22 (2).S. 333.

[9] Vgl. Ebd. S. 335.

[10] Vgl. Ebd. S. 339.

[11] Vgl. Ebd. S. 348.

[12] Vgl. Green, G. (2017). „The Cannabis Grow Bible: The Definitive Guide to Growing Marijuana for Recreational and Medical Use“. Green Candy Press. S. 214.

[13] Vgl. Cervantes, J. (2000). „Marijuana Outdoors: Guerilla Growing“. Van Patten Publishing.

[14] Vgl. Ebd.

[15] Vgl. Ebd.

[16] Vgl. Ebd.

[17] Vgl. Braun, U.; Cook, R. T. A. (2012). „Taxonomic Manual of the Erysiphales (Powdery Mildews) “. CBS-Knaw Fungal Biodiversity Centre, Utrecht.

[18] Vgl. Ebd.

[19] Vgl. Green, G. (2017). „The Cannabis Grow Bible: The Definitive Guide to Growing Marijuana for Recreational and Medical Use”. Green Candy Press. S. 311.

[20] Vgl. Lyr, H.; Buchenauer, H. (1987). „Modern selective fungicides; properties, applications, mechanisms of action“. Jena.

[21] Vgl. Ebd. S. 317.

[22] Vgl. Heitefuß, R.; et al. (2000). „Pflanzenkrankheiten und Schädlinge im Ackerbau“ 4. Auflage. Frankfurt.

[23] Vgl. Green, G. (2017). „The Cannabis Grow Bible: The Definitive Guide to Growing Marijuana for Recreational and Medical Use“. Green Candy Press. S. 249.

[24] Vgl. Ebd. S. 375.

[25] Vgl. Ebd.

[26] Vgl. Haas, B. J; et al. (2009). „Genome sequence and analysis of the Irish potato famine pathogen Phytophthora infestans“. Nature. 461 (7262). S. 385.

[27] Vgl. Ebd. S. 389.

[28] Vgl. Lyr, H.; Buchenauer, H. (1987). „Modern selective fungicides; properties, applications, mechanisms of action“. Jena.

[29] Vgl. Ebd. S. 428.

[30] Vgl. Popovski, S.; Celar, F. A. (2013). „The impact of environmental factors on the infection of cereals with Fusarium species and mycotoxin production – a review“. Acta agriculturae Slovenica. 101. S. 105. URL: http://aas.bf.uni-lj.si/marec2013/12Popovski.pdf.

[31] Vgl. Ebd. S. 109.

[32] Vgl. Ebd. S. 458.

[33] Vgl. Ebd. S. 462.

[34] Vgl. Ebd. S. 103.

[35] Vgl. Gorny, A.; Kreis, R.; Dillard, H. (2017). „Alternaria Leaf Spot of Cabbage“. Cornell University. URL: http://web.pppmb.cals.cornell.edu/dillard/pdf/alternaria.pdf.

[36] Vgl. Ebd. S. 502.

[37] Vgl. Lyr, H.; Buchenauer, H. (1987). „Modern selective fungicides; properties, applications, mechanisms of action“. Jena.

[38] Vgl. Ebd. S. 509.

[39] Vgl. Ebd.

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